Von 1914 bis 1945
1914 -
Der Erste Weltkrieg bricht aus.
1915 -
Italien erklärt Österreich den Krieg (23. Mai).
1918 -
Die Donaumonarchie wird zur Konföderation. Waffenstillstand zwischen Italien
und Österreich an der Südfront. Die italienischen Truppen besetzen Südtirol
und Teile Nordtirols. Es gibt keine Kämpfe.
1919 -
Mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain wird das Tirol südlich des Brenners
zu Italien geschlagen. Italien erhält im Friedensvertrag keinerlei Auflage zum
Schutz der deutschen Minderheit. König Viktor Emanuel sichert in seiner Thronrede
vom 1. Dezember 1919 aber die sorgfältige Wahrung der lokalen Institutionen
und der Selbstverwaltung zu.
1920 -
Am 10. Oktober wird Südtirol offiziell von Italien anektiert.

1921 -
Am 21. April wird in Bozen der Volksschullehrer Franz Innerhofer von Mitgliedern
der faschistischen Sturmabteilung ermordet. Er wird so zum Symbol des Südtiroler
Widerstands gegen das faschistische Regime Mussolinis.
1922 -
Ende Oktober zieht die italienische Regierung alle bereits erlassenen Sonderbestimmungen
zugunsten der Sprachminderheiten zurück.
1923 -
Am 21 Jänner entsteht die Provinz Trient zu der auch Südtirol gehört. Einführung
der italienischen Ortsnamen, welche die deutschen ersetzen sollen. Die Italianisierung
hat ihren Anfang: das Programm zur Umwandlung wird Ettore Tolomei, einem Nationalisten
aus Rovereto anvertraut.
1924 -
Anwendung der ersten Massnahmen, die in Tolomeis “23-Punkte-Plan” vorgesehen
sind: Italienisch wird zur Amtssprache, der Unterricht in deutscher Sprache wird
eingestellt, alle deutschen Vereine werden aufgelöst und ihres Vermögens beraubt,
die Ansiedlung von Italienern hat ihren Anfang.
1925 -
Erste Formen des Widerstands: Kanonikus Michael Gamper schafft mit Hilfe von
Lehrern ein Netz von deutschen Geheimschulen (Katakombenschulen).
1926 -
Abschaffung der kommunalen Autonomie: die Buergermeister werden von Podestà ersetzt,
die vom Praefekten ernannt werden; in der Folge einer staatlichen Reform entstehen
die Provinzen Trient und Bozen.
1933 -
Der immer stärker werdende Nationalsozialismus in Deutschland gibt vielen Südtirolern
Hoffnung: Gruendung des Völkischen Kampfrings Südtirol, ein Gruppe von Hitlersympatisanten:
sie sehen den Führer als Befreier Südtirols von den Fängen des Faschismus.
1935 -
Die Entstehung der Bozner Industriezone ist von einer massiven
Einwanderung italienischer Arbeiter (sowie deren Familien)
aus anderen Teilen Italiens, vor allem aus dem Veneto, begleitet.
Die Montecatini-, Lancia- und Stahlwerke werden eröffnet.
1938 -
Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein, das Dritte
Reich Hitlers steht am Brenner, der Führer versichert
Mussolini aber, dass er die italienischen Grenzen nicht antasten
wird. Damit fällt auch jeglicher Anspruch auf Südtirol
weg.
1939 -
Bei einem Treffen zwischen dem italienischen Botschafter und Heinrich Himmler,
dem Reichsführer der SS, wird die sogenannte „Option“ beschlossen.
Danach hätten die Südtiroler wählen können, ob sie in der Heimat bleiben
wollten und dafür den Verlust ihrer kulturellen Identität in Kauf nahmen
oder ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft übernehmen wollen, dafür aber
Südtirol für immer verlassen müssten.
1940 -
Italien tritt an der Seite von Hitlerdeutschland in den Krieg ein.
1943 -
Italien schliesst mit den Alliierten Waffenstillstand. Die
Deutschen besetzen den größten Teil des Landes und
erklären die Provinz Bozen zusammen mit den Provinzen
Trient und Belluno zur Operationszone „Alpenvorland“.
1944 -
Während der deutschen Besatzung müssen viele italienische
aber auch einige deutsche Südtiroler ihren Widerstand
gegen das Naziregime mit ihrem Leben bezahlen. Die jüdische
Gemeinschaft von Meran wird, auch aufgrund der Mittäterschaft
der Bevölkerung, fast vollständig ausgelöscht.
1945 -
In den ersten Maitagen fallen die Alliierten in Südtirol
ein. Am 8. Mai gründet der Bozner Kaufmann Erich Amonn
die Sammelpartei „Südtiroler Volkspartei“. |