GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK
Die Umstände die in den Jahren 1870-71 die Enstehung der
Deutschen und der Italienischen Nation ermöglichten, haben
ein neues weltumspannendes Gleichgewicht geschaffen. Die Folge
dieser neuen Umstände war, dass sich Europa wieder als der
natürlichen Mittelpunkt der Welt sah. Am Anfang des 20.
Jahrhunderts war es aber noch durchwegs schwierig die Ursache
der Probleme die aus dieser neuen Ordnung entstanden sind zu
erforschen. In den Staaten im Nordwesten nämlich war das
Bürgertum noch fest verwurzelt und die nationalistischen
Reibereien noch nicht so offensichtlich (Irland ausgeschlossen).
In den Mittelmeerstaaten, Zentral- und Osteuropa war das beruhte
das Gleichgewicht auf dem Konservativismus, der von den konstitutionellen
Monarchien unterstützt wurde.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Deutschland eine Weltmacht
die sich einer Reihe von politischen und sozialen Erfolgen rühmen
konnte. Der Deutsche Kaiser verkündete seiner Nation „Ich
führe herrlichen Zeiten entgegen“.
Eine weniger zuversichtliche Stimmung herrschte in Wien. In den
Jahren 1903-06 war die Österreichische Regierung durch die
Forderungen der Ungarn nach mehr Selbstbestimmung (u.a. nach
einer eigenständigen Armee) in die Knie gezwungen worden.
Die politisch prekäre Lage wurde durch Unruhen in Triest,
Slowenien, Kroatien und Siebenbürgen weiter verschlimmert.
Schon 1905 waren die anderen europäischen Staaten davon überzeugt
das die Habsburgische Monarchie vor dem Zusammenfall stand. Der
Zar hatte sogar geheime Treffen mit Berlin einberufen in denen
schon im voraus über eine eventuelle Aufteilung der Reststaaten
die aus Österreich-Ungarn hervorgehen würden verhandelt
wurde.
In den ersten Jahren nach dem Amtsantritt Franz-Josephs konnte Österreich-Ungarn
dank der klugen Politik des Ministers Schwarzenberg seine Macht
ausbauen. Nach dem Tod des Staatsmannes (1852) fehlte dem Kaiser
sein wichtigster Berater, und er zeigte sich unfähig das
Reich alleine zu führen. Die Situation glitt ihm aus der
Hand und isolierten Österreich-Ungarn von den restlichen
Europäischen Staaten. Die Lage eskalierte, als der Krieg
gegen Preußen und Italien im Jahre 1889, trotz des Sieges
von Custoza, zum Verlust der reichen Region Lombardo-Venetien
führte. Man versuchte den Verlust durch die Annektierung
Bosnien-Herzegovinas (1908) auszugleichen. Doch das verschärfte
die Konflikte zwischen den verschieden Volksgruppen die im Reich
zusammenlebten nur noch. Auch persönlich schien der Kaiser
vom Pech verfolgt: 1889 beging sein Sohn Rudolf, der Thronfolger,
im Alter von 31 Jahren zusammen mit seiner Geliebten Maria Vetzera
im Jagdpavillon der Familie in Mayerling Selbstmord; 1898 wurde
seine Frau Elisabeth in Genf vom Anarchisten Luccherini ermordet;
am 28. Juni 1914 wurde der neue Thronfolger Franz Ferdinand zusammen
mit seiner Frau ermordet.
Obwohl es keine Beweise für Abmachungen zwischen der serbischen
Regierung und dem Attentäter gab, meinte man die serbische
Arroganz entlarvt zu haben und den Serben wurde vorgeworfen,
dass sie sich die Chance einen so mächtigen Gegner zu Demütigen
nicht entgehen lassen wollten. Zudem war der Generalstabschef
Conrad von Hötzndorf der festen Überzeugung, dass ein
Präventivkrieg nötig war, um die geheimen Machenschaften
des Zaristischen Russland in die Schranken zu weisen.
Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn, trotz zahlreicher
Verhandlungsversuche anderer europäischer Staaten, Serbien
den Krieg. Der Krieg breitete sich wie ein Ölteppich aus
und bald waren alle Staaten der Welt darin verwickelt. Und trotz
wiederholter Beteuerungen nicht in den Krieg einsteigen zu wollen,
erklärte Italien am 24. Mai 1915 Österreich-Ungarn
den Krieg. Auf Drängen der Alliierten steigt Italien am
28. August 1916 auch in den Krieg gegen Deutschland ein.
Die letzte österreichungarische Offensive an der Piavemündung
(14.-24. Juni 1918) erlebt eine Niederlage, während der
Eingriff der italienischen Truppen den Durchbruch an der gegnerischen
Front bedeutete.
Wir alle wissen, dass der Krieg im November 1918, nach einer
unverzeihlichen Verschwendung von Gütern und Menschenleben
beendet wurde. Man hat errechnet, dass die Armeen und Flotten
der Staaten zwischen 13 und 14 Millionen Mann in diesem Krieg
verloren haben. Mit der Zeit konnte man das Gefühl kriegen,
dass mit dem Fall der großen Reiche eine ganze Zivilisation
vernichtet wurde.
Aus Versailles, wo die Friedenserklärung unterschrieben
wurde, kamen nichts außer leere Versprechungen. Man wird
in 20 Jahren beim Ausbruch eines zweiten absurden Krieges wieder
darüber sprechen.
ADIEU,
AUSTRIA FELIX
Otto III (980-1002) ist als träumerischer und idealistischer
Kaiser in die Geschichte eingegangen. Ein bedeutungsvolles Zeugnis
für seine Taten ist ein Dokument aus dem Jahre 996 das sich
im Bayrischen Staatsarchiv befindet. Das wertvolle Manuskript
handelt von dem Zugeständnis eines weiten, gebirgigen Stücks
Land mit dem Namen „regione vulgari Ostarrichi“ an
den Bischof von Freising. Damit hätten die mächtigen
Prälaten zufrieden gestellt werden sollen. Dieser etwas
seltsame Name bezeichnete kein geographisch genau definiertes
Gebiet, sondern eine dünn besiedelte Region „im Osten“ des
Herzogtums Bayern. Mit der Zeit wurde dieses Land entgültig „Osterreich“ genannt
und mit einer Dynastie von Kriegern, Eroberern und fähigen
Diplomaten in Verbindung gebracht, die das „Reich des Ostens“ zum
mächtigsten und fortschrittlichsten Land Europas machten,
welches es auch jahrhundertelang blieb. Der Stammvater des Hauses Österreichs
war Werner von Habsburg, der aus einem Schweizer Dorf stammte
und 1082 zum Grafen erhoben wurde. Seine Nachkommen werden Könige
und Kaiser sein, Böhmen, Burgund, Italien und die Balkanländer
regieren. Die Hauptstadt Wien wird lange Zeit der Bezugspunkt
für Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler sein.
Sigmund Freud, Gustav Klimt, Oscar Kokoschka, Egon Schiele, Arthur
Schnitzler, Stefan Zweig, Robert Musil oder Franz Kafka sind
aus diesem multikulturellen Schmelztiegel hervorgegangen.
Der Untergang der Donaumonarchie war unaufhaltsam. Die Anwendung
des von Wilson erdachte Prinzip der Selbstbestimmung der Staaten,
welche aus dem Zusammenfall von Österreich-Ungarn entstanden
sind war, nach Meinung Vieler, kein weiser Zug. Alle diese neu
entstandenen politischen Formationen waren, wie Österreich
zuvor, Vielvölkerstaaten. Die stärksten ethnischen
Gruppen hatten keine Skrupel, unter der Missachtung der Minderheitenrechte
die von der Vereinigung der Nationen vorgesehen waren, eigene
Nationalstaaten zu gründen (so passierte es in Polen, in
der Tschechoslowakei und in Rumänien) und so Unruhen zu
verursachen 52). Frankreich hatte trotz des Widerwillens der österreichischen
Bevölkerung die Einigung dieses kleinen Landes mit dem Deutschen
Reich zu Verhindern gewusst. Frankreich wollte somit vermeiden „dass
sich ein Masse von 70 Millionen Deutschen mit der Zeit zur stärksten
Macht Europas entwickle“53). Auch die USA ihrerseits taten
viel um weitere Ansprüche Italiens, dem im Abkommen von
Versailles schon die Gebiete Trient, Triest und Südtirol
zugesprochen wurde nicht geltend zu machen. 54)
Vor diesen Ereignissen, im Jänner 1918, wurde ein Dokument
mit den “vierzehn Friedensbedingungen von Wilson“ verbreitet.
Bei den Nummern 9) und 10) kann man lesen:
9) Die Anordnung der Grenzen Italiens muss nach klar erkennbaren
Grenzlinien erfolgen.
10) Den Völkern Österreich-Ungarns, die wir alle gesichert
und geschützt wissen möchten, muss die Möglichkeit
einer selbständigen Entwicklung gesichert werden.
Aber nach Beendigung des Krieges änderten sich viele Sachen.
SÜDTIROL
KOMMT ZU ITALIEN
Zu dieser Zeit war Dr. Julius Perathoner Bürgermeister
von Bozen. Er hatte das Amt bis 1922 inne. Vor dem Ersten Weltkrieg
hatte der Fortschritt langsam auch in Südtirol Fuß gefasst.
Nach der Eisenbahnlinie Meran-Bozen (1881) wurde die Linie Meran-Mals
(1907) eingeweiht und im in darauf folgenden Jahr wurden die
Seilbahn die Bozen mit dem Virglhügel verbindet und die
Seilschwebebahn die auf den Bozner Boden führt, welche die
erste dieser Art in Europa war, eröffnet.
Am 3. November 1918 besetzte ein italienisches Kontingent die
Stadt Bozen. Mit dem Vertrag von Versailles werden Bozen und
Trient zu Italien geschlagen (10. Oktober 1919). 1938 erlaubt
der „Anschluss“ die Annexion Österreichs zum
Dritten Reich. 1939 wird in Berlin das Deutsch-Italienische Abkommen
zur Umsiedlung der Südtiroler geschlossen. Sie können
bis zum 31. Dezember 1939 für die deutsche Staatsbürgerschaft
optieren (deshalb wir dieser wunde Punkt in der Südtiroler
Geschichte „Option“ genannt) mit der Verpflichtung
der Auswanderung oder für die Beibehaltung der italienischen
mit der Drohung, dass sie keinen Schutz für ihr Volkstum
mehr in Anspruch nehmen könnten. Am 10. Juni 1940 tritt
Italien an der Seite Deutschlands gegen Frankreich und England
in den Krieg ein.
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