GESCHICHTLICHER
ÜBERBLICK
Mainhard II. wollte dem großen Kaiser Friedrich II. nacheifern,
der 1250 gestorben war. Als auch der Sohn Friedrichs, Konrad
IV., starb (1254), tat Mainhard alles in seiner Macht stehende
um dessen Witwe zu ehelichen. Die Hochzeit fand am 5. Oktober
1259 statt. Im selben Jahr ließ Mainhard als Zeichen seines
Aufstieges in Meran die ersten Münzen der Grafschaft prägen.
Auf einer Seite ist ein Adler aufgedruckt, der identisch mit
jenem auf den augustales von Friedrich II. war (Messina 1231),
auf der anderen war das Antlitz Augustus' zu sehen (Friedrich
ließ sich als Augustus darstellen). Mit der vorgenannten
Heirat wurde ein komplexer Mechanismus in Gang gesetzt, der zur
Lösung vieler Probleme der Braut, Elisabeth von Bayern und
des Tiroler Grafen hätte führen können. Elisabeth
fand den Pragmatismus ihres Mannes nützlich, der das Königreich
Sizilien, das ihrem Sohn Konradin zustand, zurückerobern
wollte; Mainhard war an den Besitztümern der Hohenstaufen
im Inntal sowie am Vinschgau und am Passeiertal interessiert.
Er schickte seinen Stiefsohn nach Neapel, wo er, nachdem ihn
Karl von Angiò (der vom Papst unterstützt wurde)
bei einem Spiel (Tagliacozzo) geschlagen hatte, auf dem Marktplatz
geköpft wurde. So erlosch die Hoffnung die Macht auf den
Mittelmeerraum auszuweiten. Nichtsdestotrotz nützte Mainhard
jede Gelegenheit die ihm sich bot um die eigene Macht auszubauen.
Leider hielt sein starkes Reich nicht lange. Nach dem Tod des
Grafen (1295) stritten sich die europäischen Monarchien,
allen voran die Habsburger, um die Herrschaft des Gebietes in
den südöstlichen Alpen. Fünfunddreißig Jahre
später blieb eine Enkelin Mainhards als einzige Erbin der
Grafschaft über. Ihr Name war Margarete von Tirol, „Maultasch“ genannt.
Sie wird als fähige aber strenge Herrscherin beschrieben,
außerdem soll sie viele intensive Liebesbeziehungen gehabt
haben. Ihre Ehe mit Johannes von Luxemburg traf auf großen
Wiederstand und wurde letztendlich annulliert. Von allen Seiten
unter Druck gesetzt, weil sie keinen männlichen Erben vorzuweisen
hatte, entschloss sie 1363 auf ihre Ansprüche zu verzichten
und Herzog Rudolf IV. von Habsburg freie Hand zu lassen. So gingen
die Tiroler Gebiete zum Hause Habsburger über, das so endlich
die ausgedehnten Besitztümer im Süden des Deutschen
Reiches vereinen konnte.
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