Testatina

ARCHITEKTUR


In diesem Europa, das von den oben ausgeführten politischen Ereignissen zerrüttet war, verbreitete sich zwischen dem 13. und dem 14. Jahrhundert die gotische Kunst. In der Renaissance wird die Gotik als „barbarisch“ bezeichnet werden, da sie sich von den Idealen der klassischen Antike entfernt hatte. Die Gotik ist, den glaubhaftesten Theorien zu Folge, in Nordfrankreich entstanden, wo der Himmel oft von anhaltendem Nebel bedeckt war und die Architekten versuchten den Mangel an Licht durch weite Räume und große Fenster aufzuwiegen. So wurde eine in die Höhe gerichteten Architektur geboren, die von weiten Öffnungen charakterisiert ist und in der der leere Raum vorherrschend ist. Es war ohne Zweifel eine Revolution, vor allem in der Bautechnik, man denke nur an die Plumpheit der romanischen Bauten. Der Begriff „Gotik“ wurde auf alle Bereiche der Kunst, auf die Literatur und die Philosophie ausgeweitet.

Außer den schon beschriebenen sind die wichtigsten Merkmale der Gotik ein betonter Vertikalismus und der Spitzbogen. Die aufgelockerten, schwungvollen, offenen Baustrukturen schmücken sich mit großen Fenstern und durchbrochenen Motiven; Verstärkungsrippen stützen die kühnen tragenden Strukturen und das Gewicht der Kreuzgewölbe; Strebepfeiler werden eingesetzt, um den Druck von den Seiten aufzuhalten; Verzierungen mit Einbauelementen und einer intensiven Suche nach der Bewegung und nach eleganten Helldunkelmotiven; Giebel, Fialen, Rosetten, zwei- oder mehrbögige Fenster verhelfen zusammen mit anderen technischen und ästhetischen Neuerungen dem Repertoire dieser Architektur zu seinem Reichtum.

Der Vertikalismus verleiht besonders den religiösen Gebäuden eine besondere spirituelle Kennzeichnung, sie sind wahrscheinlich aus dem Wunsch entstanden Gott näher zu sein.

Einer weit verbreiteten Theorie zufolge, die von Ägyptologen und Gelehrten im allgemeinen vertreten wird, scheint es, dass die pyramidalen Aufsätze vieler Südtiroler Kirchtürme, aus dem Mittleren Osten und genauer aus Ägypten stammen. Die pyramidalen Elemente sollen die „kosmische Energie aus dem All kanalisieren“. Pharaonen und geistliche Anführer und später Ärzte, Astrologen und Alchimisten trugen eine spitz zulaufende Kopfbedeckung, um die kosmische Energie einzufangen uns so über ein umfangreicheres Wissen zu verfügen. Man muss dazu sagen, dass die Werke des Mittelalters voller allegorischer und symbolischer Elemente waren, deren Entschlüsselung heute nur mehr ansatzweise geschehen kann. Nur wenige wissen zum Beispiel, dass der fünfzackige Stern das Symbol der Schule des Pythagoras war. Tatsache ist, dass heute noch, vor allem in den USA, Bedachungen und ganze Gebäude in Form von Pyramiden gebaut werden. Abschließend möchte ich noch auf den kuriosen Fall von Karl Drbal, einem tschechischen Radioingenieur, aufmerksam machen, dem im Jahre 1959, nach 10 Jahren des Wartens, von der strengen Kommission seines Landes die Erlaubnis erhielt das sein Patent über die „Aufrechterhaltung der Schärfe von Messern und Rasierklingen, die unter einem maßstabgerechten Modell der Cheopspyramide aufbewahrt wurden“. Viele Gelehrte sind der Überzeugung, dass die Pyramiden, neben der erwiesenen Möglichkeit „den Schliff einer Rasierklinge wieder herzustellen“, weitere mysteriöse Mächte besitzen die den menschlichen Organismus und sogar die Psyche positiv beeinflussen können. Die Sache ist mysteriös und bietet sich für ironische Kommentare an, da sie von der Wissenschaft nicht ernst genommen wird. Nichtsdestotrotz gibt es viele die an „Radiästhesie“, also den Gebrauch von Wünschelruten zur Auffindung von in der Tiefe gelegenen Wasserquellen glauben, so wie es ganze Stämme gibt, die jedem Skeptizismus zum Trotz mit dieser Technik, die nichts wissenschaftliches an sich hat, auch in der trockensten Wüste ihren Durst zu löschen.

Der Grundriss der gotischen Kirchen ist wie bei den romanischen kreuzförmig. Das Hauptschiff ist höher und breiter als die Nebenschiffe. Das Nebenschiff, ebenfalls ein Überbleibsel aus der Romanik, wird großer und in der Vertikale von einer hohen Fiale unterstrichen. An der Stelle der Vorhalle treten drei Portale die von einer großen, zentralen Rosette (ein weiteres Erbe der Romanik) beherrscht werden. Prachtvoll sind die bunten Fensterreihen in denen biblische Szenen, Allegorien oder Legenden dargestellt sind. Auch an den patrizischen Palästen werden immer höhere Türme und Zubauten zur Schau gestellt, die den Gesetzen der Statik zu trotzen scheinen. Der gotische Stil stieß in ganz Europa auf großen Anklang und wurde in die jeweiligen Kulturen integriert. Es gibt eine französische Gotik, eine deutsche, englische, flämische, spanische, italienische, die sich allesamt durch unverkennbare Merkmale unterscheiden. Man denke nur an die Kathedralen von Paris, Amiens, Chartres, Reims, Strassburg, Wien oder Mailand. Die ältesten Beispiele für gotische Architektur in Südtirol finden sich in Sterzing (Schloss Sprechenstein) und in Sarnthein (Schloss Reinegg), wo um die Mitte des 13. Jahrhunderts lombardische Meister am Werk gewesen sein müssen. In der sakralen Architektur findet sich ein schüchterner Ansatz der Gotik in der wieder aufgebauten Bozner Pfarrkirche (Ende 13. Jahrhundert), die durch eine schöne Rosette über dem Eingang bereichert wird, in der St.-Nikolaus-Kirche in Kaltern und in der Pfarrkirche von Burgeis. Etwas später, während die comacini (spezialisierte Bautruppen die im Mittelalter in ganz Italien und in einigen Teilen Europas tätig waren und aus dem gebiet des Como-Sees stammten) den Bauhütten (deutschstämmige Facharbeiter) weichen mussten, machten sich Dominikanermönche aus Regensburg an den Bau einer Kirche in Bozen. Auch die Bozner Franziskaner machen sich an die Modernisierung ihrer Kirche. Es wurde ein Kreuzgang mit dreibögigen Arkaden (1300), der Chorraum (1348) und der Kirchturm (1376) hinzugefügt. In den selben Jahren wurde in Meran ein reger Baubetrieb verzeichnet, der Bau einer neuen Pfarrkirche wurde in Angriff genommen. In Brixen wurden die romanischen Kirchtürme des Domes (1237) durch zwei- und dreibögigen Fenstern dem neuen Stil angepasst. Auch der Eingang der romanischen Kollegiatskirche von Innichen wird mit einem Spitzbogen versehen, die neuen ästhetischen Normen werden auch beim Umbau des Hauptschiffes der Pfarrkiche von St. Lorenzen angewandt.

Aber die bedeutendsten Neuerungen finden erst gegen 1380 statt, als der Architekt MARTIN SCHICHE zusammen mit seinem Bruder Peter von Augsburg nach Bozen zieht. Sie leiten die Arbeiten für die architektonische Erneuerung der Pfarrkirche leiten. Ein Chor und ein Wandelraum als Verbindung zwischen den zwei Seitenschiffen werden errichtet. Weiteren Umbauarbeiten die in Planung waren werden werden für die nächsten zwanzig Jahre unterbrochen. Dieser Umstand hat erlaubte den Brüdern Schiche sich dem Bau der Pfarrkirche von Terlan zu widmen. Die Kirche ist einschiffig und hat ein großes Presbyterium, das durch bogenförmige Öffnungen mit der „Bergmännerkapelle“ verbunden ist. In den selben Jahren wurde in der schönen Grieser Pfarrkirche (Stadtviertel von Bozen) eine Apsis gebaut, von raffinierten Simsen definiert ist. So sind wir am Ende des 14. Jahrhunderts angelangt.

Anfang des 15. Jahrhundert wurden die Pfarrkirchen von Tramin und Neumarkt, die dem gebürtigen Neumarkter MEISTER KONRAD zugeschrieben werden, die Spitalskirche von Meran und die St.-Barbara-Kirche in Marling gebaut.

Das wichtigste Werk aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist die Pfarrkirche von St. Pauls bei Eppan. Man glaubt das die Fassade von JAKOB ZWISEL aus Augsburg entworfen wurde. Der Kirchturm mit zwiebelförmigem Aufsatz wurde erst im 17. Jahrhundert fertiggestellt.

Die Südtiroler Gotik hält den Eiflüssen der Italienischen Renaissance stand und bestimmt weiterhin das Aussehen vieler neuer Kirchen: Naturns (1474-75), Agums (1493), Schluderns (1493), Tschengls (1499), Sterzing (Architekt HANS FEUR), St. Magdalena in Niederdorf (Architekt SIGMUND VON STEGEN). Wir dürfen nicht vergessen, dass zu jener Zeit viele Lehnsherren ihre Burgen den neuen Ansprüchen anpassen. Wir erinnern an Schloss Runkelstein (Bozen), Reifenstein (Sterzing), Sand in Taufers (Tauferer Ahrntal), Schloss Prösels (Völs am Schlern), Sigmundskron (Bozen), Mühlbach, Maretsch (Bozen), Annenberg (Vinschgau). Interessante weltliche Bauten werden indessen in den Zentren Meran und Bozen gebaut (Ansitz von Maximilian I.). Aber wir sind jetzt schon im 16. Jahrhundert angekommen.

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