Testatina

DIE MALEREI DER GOTIK - DIE KÜNSTLER UND DIE SCHULEN


Für die Entwicklung der gotischen Malerei war die Figur von GIOTTO DI BONDONE (ca. 1267 – 1337) ausschlaggebend. Man weiss wenig über seine Herkunft, die zum Gegenstand phantasievoller Erzählungen geworden ist. Für uns ist es wichtig zu unterstreichen wie sehr seine essentielle und kraftvolle Malerei, die an die klassisch-römische Tradition anknüpft, eine Bildsprache erschaffen hat, auf die sich die Kunst des 15. Jahrhunderts stützt. Die Zentren in denen Giotto und seine Schüler tätig waren, sind Assisi, Padova und Florenz.

In Assisi erzählt der große Freskenzyklus in der Hauptkirche Episoden aus dem Leben des Heiligen Franziskus; in Padova werden in der Capella degli Scrovegni, in wunderbaren Bildern Szenen aus dem Leben Jesu erzählt; in den Florentiner Uffizien befindet sich eines der eingängigsten Werke des toskanischen Meisters: die „Ognissanti Madonna“ (1310 ca.).

Am Anfang des 14. Jahrhunderts macht sich in Südtirol, so wie in Süddeutschland und in einigen Teilen Deutschlands der Einfluss der Italienischen Kunst bemerkbar. Die Präsenz von Italienischen Malern ist in Brixen durch die Fresken in der Johanneskapelle im Inneren des Klosters Neustift und durch jene in der Sankt-Katharina-Kirche bei Matrei bezeugt. Giotto stirbt im Jahre 1337 in Florenz. Drei Jahre später sind seine Schüler in Südtirol mit dem Ausmalen einiger Kirchen beschäftigt: die Johannes- und die Katharinakapelle in der Bozner Dominikanerkirche, die Kirche von St. Johann im Dorf, ebenfalls in Bozen; die Valentinskirche in Sarnthein. Im Laufe des Jahrhunderts ist, wahrscheinlich aufgrund der politischen Ereignisse die wir vorher angesprochen haben, ein Aufleben der lokalen Kunst zu verzeichnen, die sich in der Ausführung von höfischen Wandmalereien versucht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die Gegenstände der Fresken von Ambiente des Burgunders Hofes entnommen, deren Einfluss auch in vielen Deutschen Städten verspürt wird. In Südtirol finden sich die wertvollsten Beispiele dieser Kunst auf Schloss Runkelstein und im Atrium der Meraner Pfarrkirche. Obwohl sie Ansätze einer bestimmten erhabenen Raffinesse besitzen, präsentieren sie Figuren ohne Erheblichkeit, die sich in der Eleganz des reichen Faltenwurfs der Kleider jener Zeit ausbreiten, die durch die flache Oberfläche der großen Wände unterstrichen werden.

Wir haben gesehen das der Maler-Bildhauer HANS VON JUDENBURG, der als Begründer des „dolce stile“ gilt, um 1420-1425 nach Südtirol kam. Der „dolce stile“ wurde schon kurze Zeit später, um die Mitte des Jahrhunderts, vom „dramatischen Realismus“, dessen wichtigster Vertreter HANS MULTSCHER aus Ulm war, abgelöst. Davor war in Südtirol der aus Deutschland eingeführte „Linearstil“ vorherrschend, wie es von Werken die im 13./14. Jahrhundert entstanden sind bezeugen. Einige bescheidene Beispiele dieses Stils werden im Kloster Neustift und der Lünette einer Tür des Bozner Doms aufbewahrt.

Eine frischerer Wind wird erst viel später mit der Ankunft von GUARIENTO aus Arpo wehen. Er wird zwischen 1338 und 1370 erwähnt. Er war in Padova und Venedig tätig gewesen, wo er eine Formel zwischen der Kunst Giottos und der byzantinischen Tradition angewandt hat. 1365/67 arbeitet er an einem groß angelegtem Fresko im Venediger Palazzo Ducale (Paradies), von dem einige Reste erhalten sind. In Bozen hinterlässt er Fresken in der mittlerweile abgerissenen Nikolauskapelle der Familie Bloch bei den Dominikanern. Der Venezianer NICOLETTO SEMITECOLO ging ihm dabei zur Hand, dieser war in Padova (das monumentale Kruzifix in der Eremitagenkirche) und in Venedig (Kapelle des Volto Santo bei Santa Maria dei Servi, 1370) aktiv. Seine Malerei ist dem reichen Chromatismus, den er bei Paolo Veneziano abgeschaut hat, untergeordnet.

Zum Kreis Guarientos gehörte auch der so-genannte MEISTER DER MARIENERZÄHLUNGEN in St. Vigil unterm Weineck, bei Bozen. Zu dieser Zeit gelangte auch ATICHIERI DA ZEVIO aus Verona nach Bozen. Dieser hatte in Padova (1377 ca.) seinen plastischen Geschmack und seinen dramatischen
Erzählstil eingeführt. Von seinem Aufenthalt in Südtirol bleibt nur mehr die gefällige „Madonna von Castelbarco“ (1379), ein Fresko in der Bozner Dominikanerkirche.

Ebenfalls aus Ulm kamen: HANS STOTZINGER, auf den wir später näher eingehen werden, JAKOB VON SECKAU, HANS KLOCKER, der die Tafeln des Hauptaltars in der Pfarrkirche von Kaltern bemalt und KONRAD WAIDER aus Straubing (1491). Über den Meister WENELSLAUS der um 1425 im Burggrafenamt tätig war ist nur wenig bekannt. Seinen Nachahmern werden die gotischen Fresken mit „Geschichten aus dem Leben Jesu“ zugeschrieben, die an der Südwand des Kirchenschiffes von Sankt Oswald in Tschirland bei Naturns zum Vorschein gekommen sind. Es handelt sich hierbei, wie bei denen in der Residenz Niederhaus, um erst kürzlich gemachte Funde. In vielen Räumen der Residenz Niederhaus wurden profane Fresken aus dem frühen 15. Jahrhundert an den Tag gelegt. Auf die selbe Epoche gehen die Malereien zurück, die die „Bozner Schule“ am Gewölbe des Presbyteriums der Pfarrkirche von Durnholz im Sarntal hinterlassen hat. Die Gegenstände der Fresken sind ein „Segnender Christus“ und die Symbole der Evangelisten. An den Seitenwänden sieht man einige Apostel vor Hauserhintergrund. Östlich hinter dem Altar sind Szenen des „Martyriums des Heiligen Vito“, einem sizilianischen Heiligen dargestellt, der, wer weiss warum der Schutzpatron dieser Kirche ist. Den Triumphbogen bereichern Malereien von Heiligenfiguren und “Szenen aus dem Leben des Hl. Nikolaus“. Die Leibung des Bogens ist mit Vierpässen und Büsten der „dummen Jungfrauen“ und der „weisen Jungfrauen“ verziert. Diese erst kürzlich wieder entdeckten Malereien werden um zwischen 1400 und 1420 datiert und gehören ebenfalls der „Bozner Schule“ an, die hier ein Zeugnis von erheblichem Interesse hinterlassen hat.

In der Pfarrkirche von Dorf Tirol die Johannes dem Täufer geweiht ist und auf romanische Ursprünge zurückgeht sind Wandmalereien mit „Geschichten aus dem Leben Jesu“ wieder entdeckt worden. Es handelt sich um Fragmente die von einfachen ausgemalten Rahmen definiert werden und durch spiralförmigen Säulen mit Kapitellen im Proto-Renaissancestil abgetrennt sind. Die Arbeiten werden auf das ausgehende 15. Jahrhundert datiert (könnten aber auch älter sein).

In der Traminer Pfarrkirche St. Quirikus und Julitta sind, wenn auch nicht im gutem Zustand, vier Paneele mit Wandmalereien zum Vorschein gekommen, die auf das frühe 15. Jahrhundert zurückgehen. Es handelt sich dabei um eine „Kreuzigung“, ein „Jüngstes Gericht“, einen „Jesus am Ölhain“ und eine „Ankündigung“. An der Wand des Presbyteriums in der Johanneskirche von Obermais wurde 1988 ein spätgotisches Fresko (ca. 1500) wiederentdeckt. Es handelt sich um eine „Ankündigung“ die in einem so-genannten „Hortus conclusus“ angelegt ist. Die Malerei erinnert an einen ähnlichen Gegenstand im Dominikanerkloster (1490).

Zu diesen, meist unbekannten und zum größten Teil mittelmäßigen, Malern gesellen sich bald andere, wesentlich wichtigere Künstler wie HANS VON BRUNECK, JACOPO DA BOLZANO, LEONHARD VON BRIXEN und MARX REICHLICH. Aber es hat jetzt keinen Sinn mehr von Gotik zu sprechen. Wir sind im 16. Jahrhundert angelangt und viele Künstler bekehren sich, auch wenn sie stark an die Tradition gebunden sind, zur Kunst der Renaissance, deren Einfluss mittlerweile in ganz Europa zu spüren ist.

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