DIE NEUSTEINZEIT
Sicherlich ist der Anbruch der Neusteinzeit in Südtirol
mit der Ankunft von Menschen aus weit entfernten Ländern,
welche eine neue Art der Nahrungsbeschaffung einführten,
verbunden. Diese Gesellschaft macht ihre Wirtschaft nicht mehr
nur vom der Jagd und dem Sammeln von wilden Früchten abhängig.
Die neuen Einwohner machen sich an den Ackerbau und die Viehzucht.
Die Pässe Brenner und Reschen wurden seit jeher von Menschen
aller Art überquert. Aber vielleicht haben die Neuankömmlinge
das Meer durchfurcht und sind dann mit kleinen Booten in den
Lauf der Etsch vorgedrungen. Sie sind auf immer neue Stämme
getroffen mit denen sie Handelsbeziehungen aufgebaut haben und
neue Techniken ausgetauscht haben.
Diese unbekannten Reisenden ist es in den Höhlen zu ungemütlich
geworden und begannen Hütten zu bauen; sie beginnen Ton zu
grobem Geschirr zu formen; sie bearbeiten Steine um daraus Werkzeuge
und Waffen zu gewinnen. Diese Entwicklungen waren teil eines Phänomens
von enormen historischen Ausmaß, welches die neolithischen
Kulturen über Europa hinaus verbindet. Vielleicht lag der
Ausgangspunkt dieser Verbreitung im Nahen Osten, den Luigi Bernabò Brea
als Wiege der neusteinzeitlichen Zivilisation bezeichnet. Der Gelehrte
geht davon aus, dass die Menschen die durch den Mittelmeerraum
strömten und die Grundkenntnisse des Ackerbaus mitbrachten
von dem nördlichen Syrien und dem südlichen Anatolien
her kamen, wo diese Art der Kultur mit einer in den anderen Territorien
unbekannten Überzahl überwiegt. Wir erinnern z. B; daran,
dass überall grobe Keramik mit groben und naiven Verzierungen
die in den feuchten Ton geprägt wurden gefunden wurden. in
den wahrscheinlichen Ausbreitungsgebieten, also Syrien und Anatolien,
wurde diese Art der Keramik an einem bestimmten Punkt (vielleicht
weil neue Stämme dazugekommen sind) durch feinere und raffiniertere
Manufakte ersetzt, die oft mit Gewähltheit bemalt und dekoriert
wurden. Als Begleiterscheinung dieser Ereignisse wurde das Schmelzen
des Kupfers entdeckt. Diese kulturellen Aspekte finden aber nicht überall
gleichzeitig statt. In Norditalien entwickeln sich in dieser Zeit
Zivilisationen die in Formen mittelsteinzeitlicher Wirtschaft verweilen,
in der die Landwirtschaft noch nicht bekannt ist.
Nicht wenige Gelehrte sind der Meinung, dass sich Keramik und Landwirtschaft
parallel entwickelt haben. Die Bearbeitung der Erde hat die Gesellschaft
die aus „Sammlern“ bestand zu „sesshaften Gruppen“ gemacht
und dadurch die Entwicklung des Handwerks möglich gemacht
zu denen eben die Keramik mit der Herstellung von Geschirr und
Vasen die an primitiven Feuerstellen an der freien Luft gebrannt
wurden.
In den Donauländern lebten um 3500 v. Chr. ländliche
Gruppe, die jenen die im Gebiet des Kaspischen Meeres und des Aralsees
lebten ähnlich waren. Wenn im Laufe des späten Neolithikum
(III. Jahrtausend v. Chr.) Stämme die landwirtschaftliche
Techniken beherrschten Zentraleuropa über den Rhein bis ins
Elsass und den Niederlanden vorgedrungen sind, ist es auch möglich,
dass Gruppen von den mediterranen Küsten über die Etsch
bis zu den Dolomiten gelangt seien. Die Etsch war damals natürlich
noch nicht verbaut und deshalb wesentlich breiter als heute. Nichtsdestotrotz
muss es sich um eine recht kleine Gruppe von Leuten gehandelt haben.
Im Oberen Etschtal ist das Eindringen von Gemeinschaften aus dem
Po-Gebiet durch Funde die in Pfatten bei Bozen gemacht wurden bestätigt.
In der Neusteinzeit, die zwischen 4500 und 1700 v. Chr. zurückreicht,
wurde eine primitive Art des Ackerbaus und die Züchtung
von verschiedenen Tierarten eigeführt. Aus einer Forschung
von Alfred Riedl geht hervor, dass die Vierfüßler
die in dieser Zeit in Südtirol gezüchtet wurden sehr
klein waren. Es wurden nämlich Knochen eines kleinen Pferdes
(den keltischen Mitteleuropas ähnlich) und einer Kuh die
nur 91 cm groß war gefunden. Der Übergang von diesen
und den größeren Tieren, die in der Poebene schon
verbreitet waren, geschieht erst mit der Eroberung des Landes
durch die Römer. |