Der Schumacher
Die
Sonne zog sich schon hinter den Bergen des Gadertales zur Ruhe
zurück,
als der arme Toni sich daran machte, ein neues Paar Schuhe zu
nähen.
Rechtschaffen müde, schloss er endlich am späten
Abend seine
Werkstatt ab. Am nächsten Morgen musste er zu seinem großen
Erstaunen feststellen, dass sein unvollendetes Werk zu Ende geführt
worden war. Der
Gedanke an den unerklärlichen Vorfall ließ ihn den
ganzen Tag nicht los.
Abends eilte er früher als sonst heim zu seiner Frau, um
ihr bei Tisch davon erzählen zu können. Mit Kennerblick
festgestellt, dass Toni völlig nüchtern war, riet ihm
seine Frau, die Nacht in der Werkstatt zu verbringen, um dem
Geheimnis auf die Spur zu kommen.
An dieser Stelle sei nachgeholt, dass Toni alles andere als ein
beherzter Mann war. So kam es auch, dass er um Mitternacht seine
Werkstatt fluchtartig verließ. Nicht, dass sich bid dahin
etwas Unvorhergesehenes ereignet hätte.
Doch hatten ihn
die nächtlichen Stunden
auf abwegige Gedanken gebracht, die Glocke der Turmuhr ihn an
alte Geister- und Hexengeschichten erinnert. Sine Frau, aus ganz
anderem Holz geschnitzt, nahm also seine Platz ein. Sie versteckte
sich hinter dem Ofen und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
Es dauerte nicht lange und die Türe öffnete sich knarrend,
leise und verstohlen traten zwei Waldgeister herein.
Am Schusterschemel Platz genommen, machten sie sich eifrig an
die Arbeit. Das Ehepaar, das sich für sovile Hilfe kenntlich
zeigen wollte, legte am nächsten Abend zwei kleine maßgeschneiderte
Anzüge
auf die Schusterbank. Die Waldgeister aber fertigten nur noch
ein Paar Schuhe an, nahmen das Geschenk mit und ließen
sich nie wider blicken.
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