Die
Waldgeister sind sehr scheu, stets zur Hilfe bereit, scheinen
sie etwas dagegen zu haben, vom Menschen erblickt zu werden.
Das beweist auch die nachfolgende Geschichte.
Die Weiden am Kreuzkofel sind seit jeher Domäne der Hirten
und ihrer Herde gewesen. Eines Tages begannen jedoch die Schafe
das schöne Gras zu verschmähen, ohne dass ihr Gewicht
darunter gelitten hätte. Keiner von den Hirten konnte sich
das ungewohnte Verhalten der
Tiere erklären, umsoweniger als ihr Zustand in keiner Weise
beeinträchtigt schien. Da half nur eines: die Hirte verbrachten
die Nacht im Schafstall, um dem Geheimnis auf den Grund zu kommen.
Sie waren noch wach, als ein Waldgeist die Schafe frei ließ und
zum Grasen führte.
Im Morgengrauen trieb er dann die Herde wieder in den Stall.
Dankbar für soviel Hilfe, beschlossen die Hirten, dem Waldgeist einen roten Wams zu schenken. Sie ließen ihn vom Dorfschneider anfertigen und legten ihn abends vor die Stalltüre. Der Wams war am nächsten Tag verschwunden und ziert wohl seitdem den Waldgeist. Am Kreuzkofel hat sich der nächtliche Helfer allerdings nie mehr blicken lassen.