Die Nachtigall am Langkofel
Es
gab eine Zeit da stand ein herrliches Schloss zu Füssen
des Langkofels. In ihm wohnte eine gar liebliche Prinzessin,
die sich durch Zauberkräfte in eine Nachtigall verwandeln
konnte. Ihr Glück wäre ungetrübt gewesen,
hätte man ihr nicht vorausgesagt, dass sie durch den Tod eines Fremden die
Fähigkeit,
wieder
ihre menschliche Gestalt anzunehmen, für immer verlieren würde. Unter
dem
Zwang, das Geheimnis
um den Unbekannten zu lüften, machte sie von ihrer Gabe sehr oft Gebrauch,
um die nähere und weitere Umgebung zu erkunden. Eines tages sah
sie vom Himmel aus eine alte Burg, von Neugierde gepackt, flog sie schnurstracks
den Innenhof an, wo sie sich auf einer Birke niederließ. Ihr melodischer
Gesang hallte laut wider und asbald erschien ein stattlicher Ritter am Turmfenster.
Glückselig
ob der glühenden Bewunderung, die er ihr bis zum Sonnenuntergang zuteil
werden
ließ, legte sich die Prinzessin einen Plan für die kommenden Wochen
zurecht. Ihre Besuche wurden beiden zur lieben Gewohnheit, so sehr, dass der
Ritter,
wenn sie einmal
nicht erschien, den Kopf sinken ließ. Vor Sehnsucht nicht aus noch ein
wissend,
machte er sich also auf den Weg, um sich bei einem weisen Waldmännchen Rat
zu holen. Dieser wusste zu Berichten, dass die Nachtigall in wirklichkeit eine
Prinzessin
war,
die des Ritters Gefühle aufs Herzlichste erwiderte. In seine Burg zurückgekehrt,
dem fröhlichen Gezwitscher folgend, offenbarte er der verzauberten Prinzessin
seine ganze Liebe. Von seinem ungestümen Verhalten erschreckt, flog die
Holde
davon
und es mussten viele Tage vergehen, bevor sie den Mut für ein Wiedersehen
mit dem
Ritter aufbrachte. Ach, hätte sie doch Eile anstatt Angst walten lassen!
Ihr Geliebter lag leblos im Innenhof, mit gebrochenem Herzn. Mit seinem Tod nahm
ihr Schicksal seinen Lauf, die Prinzessin musste fortan als Nachtigall weiterleben.
Seitdem
kann man sie mit dem Langkofel Zwiesprache halten hören – in hellen,
zwitschernden
Tönen.
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