Die Schlernhexen
Am
Petz, der höchsten Stelle des breiten Schlernrückens,
treffen die Hexen seit jeher zusammen, um ihre Erinnerungen an
tosende Gewitter auszutauschen. Hier in der Gegend weiß man
zu erzählen, dass Hansel, dessen Hof zu Füßen
des
Schlerns lag, diese Tatsache am eigenen Leib erfahren musste.
Das Schicksal schlug eines abends im Sommer zu.
Hansels Frau war am Brunnen, um Wasser zu holen, als sie ein
seltsames Geräusch hörte. Es schien vom Himmel zu kommen
und tatsächlich bewegte sich zwischen den Unheil verkündenden
Wolken ein schwarzer Schatten im Kreise.
Von seiner Frau ans
Fenster geholt und vor Entsetzen außer Fassung
geraten, brach Hansel in den Ruf aus „Du heiliger Himmel,
die Wetterhexe! Warte, der werd ich’s zeigen“. Den
Worten ließ er Taten folgen. Das Gewehr mit in Weihwasser
getauchter Munition geladen, rannte er auf die Tenne, legte an
und schoss in die Luft.
In das Echo seines Schusses mischte sich ein markerschütternder
Schrei und schon stürzte vor den Augen des erschrockenen
Paares die zu Tode getroffene Hexe zu Boden. Ihr Anblick war
so abstoßend, das Hansel auf der Stelle in Ohnmacht fiel.
Wohl erholte er sich einigermaßen vom Schrecken, doch musstendazu
viele Jahre vergehen. |