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Interview mit Hans Glauber

Herr Glauber,
1. Sie zählen zu den ersten Verfächtern des Umweltschutzes in Südtirol und haben sich als Gründer und Präsident des Ökoinstituts Südtirol schon seit geraumer Zeit mit dem Thema Energie beschäftigt. Können Sie uns einige wichtigen Energie-Projekte nennen:
In den frühen 90ger Jahren haben wir angefangen, Energy Management Projekte, oder sogenannte Klimaberichte, für Südtiroler Gemeinden zu erstellen. Dabei haben wir sowohl mit großen als auch kleinen Gemeinden gearbeitet, wie z.B. Bozen, Meran, aber auch Bruneck, Toblach, Innichen und auch Gemeinden außerhalb Südtirols. Es ging darum, den Energieverbrauch der kommunalen Einrichtungen, sprich Gebäude, zu ermitteln, und zwar nicht nur den absoluten, sondern auch den spezifischen Verbrauch, also di kWh pro Quadratmeter und Jahr für Heizung und Beleuchtung. Dadurch erhält man für die einzelnen Gebäude, wie Büros, Altersheime, Schulen, Wohnungen im Besitz der Gemeinde eine Art „Fotografie“, ein Ist-Zustand der über die Energieeffizienz des Gebäudes Auskunft gibt. In einem zweiten Schritt kann man anschließend leichter ermitteln woran die unterschiedliche Energieffizienz der Gebäude liegt: liegt es an der Hülle - also Mauern, Fenstern, Dach -, oder liegt es an der Heizungsanlage, oder liegt es schliesslich daran, wie ein Gebäude genützt wird.
Wir haben beispielsweise Schulen aufgefunden, in denen der Heizwasserkreislauf der Wohnung des Schuldieners nicht vom Schulhauptgebäude getrennt war, was natürlich zu großen Verschwendungen führte. Dadurch konnte man der Gemeinde auch sehr einfache Lösungen anbieten. Im Allgemeinen werden den Gemeinden aber auch Prioritäten vorgezeigt. Das ist sehr wichtig weil eine Gemeinde sehr oft Sanierungen durchführen muss und da ist es wichtig zu wissen wo man was macht und in welcher Reihenfolge.
In den letzten Jahren haben wir uns natürlich auch sehr mit dem Thema Klimahaus beschäftigt. Wir haben eine Evaluierung der Klimahäuser aus der Sicht der Bewohner durchgeführt, hinsichtlich des Zufriedenheitgrades also,Wir haben auch geprüft, inwieweit der real gemessene Energieverbrauch mit den theoretisch kalkulierten übereinstimmen. Das ist für die zukünftige Entwicklung des Klimahaus-Projektes sehr nützlich. Herausgekommen ist das die Bewohner in der Regel sehr zufrieden mit ihrem klimaHaus sind und zum Beispiel auf eine kontrollierten Lüftung- sofern vorhanden - nicht mehr verzichten würden.
Eine weitere Untersuchung hat sich mit den wichtigsten energetischen Zertifizierungsmodellen in Europa befasst. Angefangen bei Deutschland, über Dänemark, Portugal, Österreich bis hin zu anderen Ländern haben wir verschiedene Zertifizierungsmethoden überprüft, um Inputs für die Klimahaus-Zertifizierung in Südtirol zu bekommen. Die EU schreibt seit 2006 eine Zertifizierung für bestehende Gebäude vor, und die muss bei Verkauf, Miete oder Umbau vorgezeigt werden. Es handelt sich um einen Energiepass, der etwas komplexer und informationshaltiger ist als die bei uns geltende KlimaHaus-Zertifizierung. Das bedeutet, dass auch unsere Zertifizierung in Zukunft erweitert werden muss. Das ist eines der Themen mit dem wir uns zur Zeit im Ökoinstitut beschäftigen.

2.Wie beurteilen Sie die Energiepolitik der Südtiroler Landesverwaltung?
Die Energiepolitik Südtirols ist in meinen Augen immer noch zu stark angebotsorientiert, das heißt darauf bedacht, wie man ausreichend Energie zur Verfügung stellen kann, .meinetwegen auch mit umweltfreundliche Energieträgern wie Biomasse und Solar, wo Südtirol sehr weit vorne liegt. Was bis vor kurzer Zeit weniger berücksichtigt wurde, ist die Nachfrageseite, also die Art und Weise wie man den Verbrauch senken kann. In diesem Zusammenhang stellt das Projekt KlimaHaus sicher eine Wende dar, die zeigt, wie man auch das Thema Energieeffizienz mit sehr großem Erfolg in die Energiepolitik einbringen kann. Im Allgemeinen liegt jedoch, wie gesagt, der Schwerpunkt immer noch sehr im Bereich Energieangebot.
Der lokale Energieplan stützt sich hauptsächlich auf zwei Studien, die auf die 90ger Jahre zurückgehen und in der Zwischenzeit zu aktualisieren wären, auch weil sie, soweit ich weiß, die Entwicklungen im Bereich Biomasse und solar Energie nicht berücksichtigen

3.Welche Energieformen werden in Südtirol erzeugt? Welche Aussichten sehen Sie für die Zukunft?
Erzeugt wird hauptsächlich Solarenergie in den verschiedensten Formen, also dazu zähle ich auch Wasserkraft, die bei uns ja eine Tradition hat. Südtirol erzeugt aus Wasserkraft mehr Energie als innerhalb seiner Grenzen verbraucht wird, das ist sicher eine sehr positive Entwicklung. Es werden weitere Kraftwerke geplant und gebaut, wobei man berücksichtigen müsste, dass man nicht jeden Wasserlauf trocken legen kann. Außerdem könnte die Wasserkraft in den nächsten Jahrzehnten unter dem Klimawandel leiden. Wenn die Gletscher weiterhin schmelzen, hat man zu Begin mehr Wasser für Wasserkraft, aber dann könnte es in vielen Anlagen bald vorbei sein. Das muss bei der Planung berücksichtigt werden.
Eine weitere Form von Solarenergie, die bei uns genutzt wird, ist Biomasse. Es gibt ca. 30 biomasse-, sprich hackschnitzelbetriebene Fernheizanlagen. Paradebeispiel ist das Pustertal, in dem von Bruneck bis Sexten, alle im Haupttal liegenden Gemeinden durch Biomasse-Fernheizungen versorgt werden. Das ist eines der größten zusammenhängenden Gebiete, die in Europa mit Biomasse beheizt werden, ein absolutes Spitzenergebnis. Außerdem sollte  man auch Pelletsöfen nicht vergessen, die auch bei uns z.Z. einen Riesenerfolg verzeichnen und sich sehr gut für den Austausch der etwa 16.000 Heizölkessel, die im Schnitt über 15 Jahre alt sind eignen.
Weiters haben wir in Südtirol eine beachtliche Nutzung der thermischen Solarenergie. Im Schnitt haben wir 1/3 Quadratmeter Kollektorfläche pro Einwohner - und rund 40% der insgesamt in Italien installierten Kollektoren -,das ist wieder ein europäischer Spitzenwert, vergleichbar mit Griechenland und Österreich.
Photovoltaik ist noch nicht verbreitet und wird bei uns eher noch marginal genutzt, weil es eine noch teure Technologie ist und, bis vor kurzen, auch von staatlicher Seite noch wenig gefördert wurde. In Deutschland sieht das anders aus. Dort kann man knapp 60 Cent pro ins Netz eingespeiste kWh über eine Laufzeit von 20 Jahren rechnen. Das liegt auch daran, dass die Deutschen Photovoltaik auch als einen wesentlichen Bestandteil ihrer Industriepolitik betrachten: sie wollen in Zukunft eine weltweit führende Rolle in der Forschung und Herstellung von PV-Anlagen einnehmen, so wie sie es z.T. auch mit anderen erneuerbaren Energiequellen erreicht haben.
Was die Windkraft betrifft, gibt es bei uns unzureichende Bedingungen. Es gibt nur wenige Flecken in Südtirol, in denen eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von mindestens 5 m pro Sekunde zu verzeichnen ist und das ist die unterste Schwelle, bei der man Windkraft wirtschaftlich sinnvoll nutzen kann.
Die wichtigste, nachhaltigste und billigste Energiequelle in Südtirol bleibt jedenfalls die Energieeinsparung und die effiziente Energienutzung, und da stellt das KlimaHaus Projekt einen wichtigen Schritt dar. Die beste Kilowattstunde ist jene, die nie verbraucht wurde. Noch bezieht sich die Zertifizierung vorwiegend auf den Neu-Bestand, aber demnächst wird sie sicherlich flächendeckend auch den Altbau betreffen, und das wird eine Dynamik auslösen, die in den nächsten Jahren zu beachtlichen Verbrauchssenkungen führen wird.

4.Wo liegen die größten Einsparpotentiale im öffentlichen und privaten Bereich?
Es gibt Untersuchungen, wie z.B. die der Stadt München, die auch Mitglied des Klimabündnis ist – und somit die Verpflichtung eingegangen ist, die CO2-Emissionen zu halbieren - , die besagen, dass das allergrößten Energieeinsparpotentiale in der Sanierung des Baubestandes liegen, und in München weniger in der Mobilität, ,weil die Stadt bereits über ein sehr gutes Mobilitätssystem verfügt. In Südtirol ist es sicher anders. Bei uns schlummern im Mobilitätsbereich noch große Einsparpotentiale. Eine energieeffiziente Mobilitätspolitik wäre aber ein Kapitel für sich. Trotzden, auch bei uns liegt ein enormes, noch nicht ausgeschöpftes Potential in der energetischen Sanierung des Baubestandes.

5.Glauben Sie das Südtirol jemals energetisch autark sein wird, also den gesamten Energiebedarf selbstständig decken wird?
In Europa gibt es Länder bei denen dieses Ziel explizit auf dem Programm steht, wie z.B. Schweden und Island. Bei uns sind die Ziele etwas bescheidener - zur Zeit decken wir mit erneuerbaren Energien immerhin etwas über 40% des Energiebedarfs - eine energetische Autarkie ist bei uns noch nicht explizit auf dem Programm. Es ist anzunehmen, dass das Erdöl in einigen Generationen ausgehen oder zumindest unerschwinglich teuer sein wird. Deshalb ist auch für uns der Weg vorgezeichnet. Wir werden in das „zweite solare Zeitalter“ eintreten müssen. Das erste solare Zeitalter geht von den Anfängen der Menschengeschichte bis etwa 1850, also bis zur Erfindung und Verbreitung der Dampfmaschine und die Nutzung der Kohle. Bis dahin hat die Menschheit rein solar und regenerativ gelebt und dabei viele Hochkulturen hervorgebracht, von den Ägyptern bis zur Renaissance. Das zweite solare Zeitalter, das nach der Erschöpfung der fossilen Energiequellen folgen wird, wird auch materiell eine reichhaltige Zivilisation ermöglichen: wir haben ein Angebot von Solarenergie im Überfluss, wir verfügen über Technologien, die es uns ermöglichen, die Sonne wesentlich besser als im ersten solaren Zeitalter zu nützen, und wir verfügen über raffinierte Einspartechnologien, siehe Klimahaus. Wie gesagt, Sonnenenergie steht im Überfluss zur Verfügung, es geht lediglich darum, sie sinnvoll und effizient zu nutzen. Bis jetzt haben wir aber nur erste Schritte gemacht, nun muss es ein Marsch werden.

6. Viele beglückwünschen eine lokale Verwaltung der in Südtirol gelegenen Wasserkraftwerke. Was halten Sie davon und welche Vor- oder Nachteile könnten dabei für die Bevölkerung entstehen?
Wasserkraft ist heute eine sehr interessante Energiequelle. Man muss das im europäischen Kontext sehen. In Deutschland spielt z.B. die Windenergie eine sehr beachtliche Rolle, es gibt im ganzen Land Anlagen mit insgesamt installierten 16.000 MW. Dennoch hat Windkraft einen Haken und zwar, dass der Wind nicht immer konstant bläst.. Deswegen kann man mit Wasserkraftstrom sehr gut die „Täler“ bzw. die Flauten in der Windproduktion ausgleichen. Insofern ist Wasserkraft sehr interessant und als wichtige Ergänzung zur Windenergie zu betrachten. Außerdem ist sie auch in Verbindung mit Kohlekraftwerken sehr wichtig, um die Spitzenlasten abzudecken, weil man die Kohlekraftwerke, die eher im Grundlastbereich operieren,  nicht der Nachfrage sofort anpassen kann. Man kann verstehen warum heute soviel Interesse hinter einer Übernahme der Wasserkraftwerke steht.

7.Welche Vorteile würden sich für die Bevölkerung ergeben?
Naja, man kann davon ausgehen, dass ein Übergang der Wasserkraftwerke in die Hände der Landesverwaltung, wie in vielen anderen Fällen, zu einem allgemeinen Vorteil der Bevölkerung führen würde. Das Geld das in die Taschen der Landesverwaltung fließt, steht dann einfach für mehr Dinge zur Verfügung. Ich kann diesen Wunsch also begreifen, habe mir selbst aber noch wenig Gedanken über die zukünftige Entwicklung dieses Vorhabens gemacht. Allerdings, man hat einige hundert Millionen Euro in Anteile von Edison investiert. Die Frage könnte lauten: was hätte man erreicht, wenn man dieses Geld in Energieeffizienz investiert hätte. Diese Debatte hätte man vielleicht führen sollen.

8. In letzter Zeit scheint das Thema Atomenergie wieder aktuell zu sein. Sie haben diese Energieform in diesem Gespräch überhaupt nicht erwähnt. Was sagen Sie dazu?
Es ist sicher eine aktuelle Debatte im Gang und das Thema wurde hauptsächlich durch den rapiden Anstieg der Erdölpreise wieder aktuell. Nur, heute kann man darüber diskutieren solang man will, aber allein aus der Sicht der Machbarkeit macht es einfach keinen Sinn. Heute deckt die Atomenergie weltweit etwa 5 % des Energiebedarfs ab. Wenn Atomenergie einen substanziellen Beitrag leisten sollte, sagen wir 50 % des Energiebedarfs, dann müsste man die Anzahl der Atomkraftwerke weltweit verzehnfachen. Im Augenblick laufen etwa 440 Atomkraftwerke, dann würden es über 4.000 werden und ich frage mich wie das möglich ist, wenn man bedenkt, dass der Bau eines einzelnen Atommeilers etwa zehn Jahre dauert. Wir könnten frühestens im Jahre 2015 Anfangen daraus Strom zu gewinnen. Wenn wir an jedem Werktag eine aufstellen würden, dann kämen wir immerhin bis ins Jahr 2030. Das ist doch eine reine Illusion.
Durch die Liberalisierung des Energiemarktes werden heute die staatlichen Monopole zunehmend privatisiert . Das bedeutet, dass man für den Bau von Atomkraftwerken immer mehr auf privates Kapital angewiesen wäre. Und welcher Investor würde die Risiken, auch die finanziellen, auf sich nehmen?
Das alles schließt nicht aus, dass marginal wird hier und da irgendwo ein neues Atomkraftwerk entstehen wird, aber es wird nie so weit kommen, das die Atomenergie einen wesentlichen Teil des Gesamtenergiebedarfs abdecken wird. Deshalb sollten wir gleich auf die Energien der Zukunft setzen, und das ist die Sonne, daran führt kein Weg vorbei. Wer zuerst startet, der kommt auch als Erster an.


März 2006

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