Wie viel Energie erzeugt der menschliche
Körper?
Als allererstes sollten wir mit unserem eigenen Energieverbrauch vertraut
werden. Es ist erstaunenswert wie leicht der Energieverbrauch unseres
Körpers mit dem unserer Wohnung, unseres Autos oder unserer Stereoanlage
vergleichbar ist. Ein erwachsener Mann mit etwa 80 Kg Körpergewicht,
der ein Handwerk ausübt (z.B. ein Hydrauliker oder ein Tischler),
verbraucht pro Tag (in 24 Stunden) etwa 3.000 kcal, was etwa 3,5
kWh (Kilowattstunden) entspricht. Bei Büroarbeit würde ein Mann
mit dem selben Körperbau etwa 2.000 kcal verbrauchen, eine Frau vielleicht nur noch 1.800 kcal. 1.800 kcal kann man leicht in kJ (Kilojoule)
umrechnen. Das ergibt 9.218 kJ oder 2,56kWh.
Wie viel verbrauchen wir im Schlaf?
Ein Erwachsener mit etwa 70 Kg Körpergewicht verbraucht bei etwa 8
Stunden Schlaf immerhin 560 kcal, was 0,65 kWh entspricht. Gar nicht
schlecht wenn man bedenkt, dass der Schlaf zu den energieärmsten
Aufgaben unseres Körpers zählt.
Lieber wandern…. oder Radio betätigen?
Wenn sich der Herr,
der einige Zeilen weiter oben noch im Büro saß, für eine
Bergwanderung mit 700 Metern Höhenunterschied entscheiden sollte,
dann würde er allein für die Tour 1.300 kcal benötigen
und da müssten man noch etwa 2.000 kcal Tagesgrundverbrauch hinzurechnen.
Diese Energie holt er sich aus der Nahrung. Wenn er sie aus der Steckdose
geholt hätte, dann hätte er in 24 Std. 3,52 kWh verbraucht.
Bei laufenden Durchschnittspreisen für elektrischen Strom entspricht
das etwa 50 Cent, also halber Euro. Mit der selben Energie hätte
er aber auch eine herkömmliche Stereoanlage mit 10 Watt Leistung über
mehrere Stunden betreiben können.
Mensch und Haushaltsgeräte im Vergleich Was erstaunenswert erscheint ist, dass der Tagesverbrauch des menschlichen
Körpers (inkl. Schlaf) ziemlich ähnlich ist mit dem Verbrauch
an elektrischer Energie unserer Wohnung ist (Heizung ausgeschlossen!).
Abb. 1 :
Verbrauch im Vergleich. Klicken Sie auf dem Bild, um es zu vergrößern.
Körperheizung statt Heizkörper… Da wir die insgesamt über die Nahrung aufgenommene Energie
größtenteils in Wärmeenergie umwandeln (nur etwa 10 % der
aufgenommenen Energie werden in mechanische Energie, sprich Muskelarbeit
umgesetzt), kann man leicht ausrechnen, dass ein Mensch der in einem Zimmer
sitzt, z.B. ein Schüler in einem Klassenzimmer oder jemand der vor
dem Fernseher sitzt, eine Wärmeleistung von etwa 100 Watt erzeugt.
Das entspricht in einer Stunde eine Wärmeausstrahlung an die Umgebung
von 100Wh. Nehmen wir an, dass die Heizungsanlage einer 100m2 großen
Wohnung etwa 20kW Leistung bringt. Dann bräuchte man 25 bis 30 Personen
um die selbe Wärmeleistung der Heizkörper zu liefern. Wer es
aber zuhause nicht so eng mag, der sollte immer noch konventionelle Heizkörper
bevorzugen.
Wenn wir Benzin trinken könnten…
Wenn wir Benzin trinken und verdauen könnten, dann bräuchten wir bei
oben genanntem Tagesverbrauch etwa 350 g, also etwa eine Bierdose davon. Bei
dem heutigen Stand der Benzinpreise (Feb 2006) würden das 0,32 € ausmachen.
Als schmackhaftere Alternative könnten wir uns dieselbe Energiemenge aus 450 g Nudeln mit Tomatensoße hohlen. Wenn wir diese aus der Nahrung gewonnene
Energie an die städtischen Etschwerke verkaufen würden (zum selben
Preis mit dem das Werk den Strom an die Verbraucher verkauft), dann würde
uns das 26,85 € einbringen.
Wie viel Energie verbrauchen die Radfahrer
des „Giro d’Italia“?
Spitzensportler, wie z.B. Radfahrer beim Tour de France oder Giro d’Italia
verbrauchen bis zu 14.000 kcal und diese Arbeit würde am Tag umgerechnet 16,15 kWh ausmachen. Bei Anwendung durchschnittlicher Strompreise aber, würde
einer dieser Champions nicht mehr als 2,44 € am Tag leisten oder verdienen.
… falls wir wirklich strampeln müssten
Wer aus Zeitvertreib, Umweltbewusstsein oder Not oft auf das Fahrrad zurückgreift,
weiß wie anstrengend es ist einen Anstieg von 500 Metern Höhenunterschied
in einer Stunde zu überwinden. Die Arbeit die man dabei verrichtet, also
die Energie die man dabei verbraucht würde ausreichen um unseren Kühlschrank
knapp zwei Stunden lang zu betreiben. Um unsere Vorräte aber ganze 24 Stunden
lang kühl zu lagern, müssten wir im selben Tempo 14 bis 15 Stunden
lang strampeln.
Wieviel Energie bringt man hervor, wenn man arbeitet?
Tätigkeit
kcal proTag
kJ
Tages-
arbeit
in kWh
elektri-
scher
Strom (kWh, €)
Benzin (in g)
Portion Nudeln mit
Tomaten-
sauße
Handwerk
3000
12570
3,49
3,49
2,86
6
Kosten/Nutzen
in €
0,52 €
0,27 €
Büroarbeit
2000
8380
2,33
2,33
191
3,8
Costo/resa in €
0,35 €
0,18 €
Büroarbeit
1800
7542
2,10
2,10
171
3,4
Kosten/Nutzen
in €
0,31 €
0,16 €
Bergtour (600-700
Höhenunterschied (m), Mann)
1300
5447
1,51
1,51
124
2,5
Kosten/Nutzen
in €
0,23 €
0,12 €
Leistungssport
12000
50280
13,97
13,97
1143
22,8
Kosten/Nutzen
in €
2,10 €
1,06 €
Die Natur setzt auf Solar
Wer meint Sonnenkollektoren seien unästhetisch,
besonders wenn man sie mitten in der Landschaft aufstellt, sollte bedenken,
dass die Natur sehr intensiv auf diese Energiequelle setzt. Die natürlichen
Kollektoren liegen qualitativ, im Design und in der Lebensdauer, selbstverständlich
wesentlich höher als künstlich erzeugte Produkte. Wälder,
Wiesen und Strauchbestände sind letztlich nichts anderes als Sonnenkollektoren,
welche die solare Energie in chemische Energie umwandeln. Die meisten
von uns kennen den Begriff „Photosynthese“ aber wenige erinnern
sich aus Schulzeiten, dass es sich dabei „lediglich“ um eine
Energieumwandlung handelt? Vom Menschen konstruierte Photovoltaik-Anlagen
führen einen ähnlichen Prozess durch, nur wird die Solarenergie
hier in elektrische Energie umgewandelt. Alle Nahrungsmittel die dem
Menschen zur Verfügung stehen (also Energie für unseren Körper)
ist auf die Photosynthese zurückzuführen. Interessant ist dabei,
dass die dabei erzeugte chemische Energie den Gesamtverbrauch aller auf
der Erde lebenden Organismen um ein Vielfaches übertrifft. Es ist
ziemlich schwierig die gesamte auf der Erde durch die Photosynthese erzeugte
Energie zu ermitteln, denn die Sonneeinstrahlung ist nicht überall
gleich und auch die Verteilung der „Sonnenkollektoren“, sprich
der Vegetation, ist sehr unregelmäßig (noch dazu kommt die
Bewölkung). Dennoch ergibt eine grobe Schätzung, dass die Photosynthese
von Seiten der Pflanzen und einiger Mikroorganismen jährlich 2x1011
Tonnen (200.000.000.000 t) Kohlenstoff bindet, was in energetisch etwa
70x109 Tonnen (70.000.000.000 t) Erdöl entspricht. Das bedeutet,
dass in diesem natürlichen Solarenergiegewinnungsprozess jährlich
zehn mal so viel Energie zur Verfügung gestellt wird, als
die gesamte menschliche Bevölkerung in einem Jahr verbraucht.
Wie könnte man das gesamte Etschtal anheizen?
Jeder Südtiroler
oder Südtirolkenner kennt den verzauberten Anblick eisgeschmückter
Apfelbäume zur Blütezeit, wenn die Frostschutzberegnung engesetzt
wird. Die meisten Leute glauben, dass das Eis die Blüte wie ein
Dämmstoff vor nächtliche Frostschäden schützt. In
Wirklichkeit ist Eis ein sehr guter Wärmeleiter, weshalb er niemals
als Isolierungsstoff dienen könnte und im Falle der Apfelbäume
den Schaden sogar noch verschlimmern würde. Das Prinzip das der
Frostberegnung zugrunde liegt ist völlig anders und beruht auf den
unterschiedlichen Energiegehalt zwischen flüssigem und gefrorenem
Wasser. Flüssiges Wasser enthält mehr Wärme (Energie)
als festes, was bedeutet, dass ein Teil dieser Wärme während
des Gefrierens an die Umgebung abgegeben wird. Was die Blüten schützt
ist diese freigesetzte Wärme, die aber z.T. auch an die umgebende
Luft abgegeben wird. Die Blüten werden nur dann erfolgreich geschützt,
wenn ständig neues Wasser gefriert. Die Beregnung wird nur dann
eingestellt, wenn der Tag anbricht und die Lufttemperatur durch die Sonne
allmählich milder wird. Die durch die Beregnung versprühte
Wassermenge ist jedenfalls so groß, dass die allein durch Gefrierprozess
freigesetzte Wärme ausreicht um die Lufttemperatur im Etschtal um
2 bis 3° C. anzuheben.