Wir sind es nicht gewohnt, in unserer sachlichen und hektischen Zeit,
zwischen dem Zauber und der Kraft unserer sagenumwobenen Dolomitenwälder
und der kalten Herrlichkeit der physikalischen Energie Gemeinsamkeiten
zu finden. Auf der einen Seite ist Unheimlichkeit und magische Dunst
vergangener Märchenwelten, auf der anderen die Kraft des gebündelten
Wassers, durch das Industrie, Technik und Wohlstand geschaffen wurden.
Sind es wirklich zwei getrennte Welten? Wem es schwer fällt diese
Visionen in ein größeres Bild zu vereinen, der sollte sich
selbst einen Tag lang aus unserer pflichtbewussten Wirtschaftsgesellschaft
stehlen und die schmale Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Vernunft
und gelassener Wahrnehmungsfreude wagen. Die tiefe Kluft zwischen Zauber
und Technik scheint schon zu früher Morgenstunde im aufsteigenden
Morgennebel zu verschwinden. Die Dunst verhüllt die luftige Scharte
die wir schon vom tiefen Tal aus erkennen und anpeilen und während
wir langsam durch dichte Wälder emporsteigen, muss ich selbst der
knochensteifste Skeptiker davon überzeugen, dass Waldgeister, Bergfeen
und Dolomitenzauber mit der Kraft des Lichtes und des Wassers ein und
dasselbe sind. Man überschreitet die Scharte und steigt erneut herab,
und plötzlich macht sich ein Gefühl und eine Entdeckung Platz:
hinter grünen Baumwipfeln und waldgesättigten Düften taucht
ein kleines Kunstwerk auf, das Kraftwerk an der „Schmelze“.
Schon das Wort, „Kraftwerk“, ist ein Gedankenbild aus technischem Übermut
und ungebündelter Potenz, im Schatten eines düsteren Baustils
aus der Vorkriegszeit des 20. Jahrhunderts. Dann sollte man sich unbedingt
hinsetzen und in Stille verweilen, denn es dauert nicht mehr lang bis
aus diesem kleinen Hause, in dem auch Hänsel und Gretel hätten
daheim sein können, eine alte Hexe tritt und sich auf ihren Besen
sitzend, zur Scharte hoch über dem Höhlensteintal hebt.
Landkarte
Kompass 57
2 Wandervorschläge zur Entdeckung weltlicher und geistiger Naturkraft
1) Leichte Wanderung(rote Variante)
Ausgangspunkt: Campingplatz am Toblacher See (1250m)
Über den Naturerlebnispfad des Toblacher
Sees (Weg 1) wandert man dem Höhlensteintal entlang Richtung Süden
(den See auf der linken Seite haltend). Der Lehrpfad stellt einen idealen
Einstieg zwischen Naturwissenschaften und Sagenwelt dar. Etwa 2 Km lang
folgt man einem bequemen Forstweg der bald die Wegkreuzung mit Markierung
Nr. 14 und ein erstes kleines Wasserkraftwerk (1.265m) erreicht. Auf
Weg Nr. 1 bleibend gelangt man zu einem Soldatenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg
und 200 Meter weiter das sich nach wie vor in Betrieb befindende „Zauberkraftwerk“ an
der Schmelze. Den Ausgangspunkt erreicht man über die gleiche Route.
Andernfalls kann man sich mit dem Pkw über die Höhlensteintalstraße
abholen lassen. Höhenunterschied: 100m Zeit und Entfernung: 1 Std.;
ca. 3,5 Km nur hin
2) Anspruchsvollere Wanderung (blaue Variante)
Ausgangspunkt ist das kleine Wasserkraftwerk
südlich des Toblacher Sees (1.265m), genau gegenüber des deutlich
erkennbaren, vom Haunold abfallenden Birkentals.
Über Wegmarkierung
Nr. 14 steigt man entlang eines Forstweges bis zur Sarlhütte (1.720m)
und weiters bis ans Ende des Forstweges (ca. 1.830m) hinauf. Über
steiler werdende Wiesen erreicht man die Wegkreuzung mit dem Dolomitenhöhenweg
Nr. 3 und folgt diesem in südliche Richtung bis zum Flodige Sattel
(2.163m). Auf dem Sattel erreicht man eine neue Gabelung und folgt links
absteigend der Markierung 33, durch welche man durch das wunderschöne
Flodigetal unter den Nordwänden des Dürrensteins absteigt.
Die Flodigealm lässt man linker Hand liegen bis man auf immer steilerem
Gelände das unterirdische Speisebecken des Kraftwerkes (1.703m)
erreicht. Der nur selten begangene Weg entlang der Wasserleitung erfordert
etwas Trittsicherheit und führt bald zu einem unerwarteten Anblick:
ein winziges Kraftwerk im Heimatstil des frühen 20. Jahrhunderts
umgeben von Wäldern und der schroffen Kulisse der Sextner Dolomiten.
In etwa 2 km kann man über einem parallel zur Talstraße verlaufenden
Wanderweg den Ausgangspunkt erreichen. Höhenunterschied: 900 m (über
teilweise steiles und beschwerliches Gelände) Gehzeit: 5 bis 6 Std.