Es gibt bestimmte Beziehungen, die stachelig sind. Vielleicht hatte ich aus
diesem Grund Angst mich gehen zu lassen. Ich war oft genug enttäuscht
worden und war müde vom Leid und den Missverständnissen, die am
Ende auch die bescheidensten Träume untermauern. Und so habe ich mich
in die Arbeit geflüchtet. Ein Refugium im ununterbrochenen aufeinander
folgen von Arbeitsverpflichtungen, Sitzungen, Terminen, Arbeitsreisen. Und
bei meiner Heimkehr war ich immer viel zu müde um der Nostalgie und
der Sentimentalität Platz zu gewähren: der Schlaf trat ein bevor
ich seinen Mangel bemerken hätte können.
Ich hätte ein banales und kleinbürgerliches, wenn auch beruhigendes,
Bild jener Leute zeichnen können, die sich nicht all zu viel vom Leben erwarten
und die es gerade deshalb wissen glücklich zu sein, ohne sich den Kopf auf
der Suche nach weiteren Horizonten zu zerbrechen. Ich hätte jene Heiterkeit
, welche sich selbst genügt liebend gerne akzeptiert und wäre gerne
Hand in Hand mit ihr im Schatten von Hainbuchen, Kastanienbäumen und Eichen,
die vom Westwind her geweht wurden, Spazieren gegangen. Aber ich hatte Angst
ich nicht das geben zu können, um was sie mich gebeten hatte. Vielleicht
wäre sie mit etwas Beständigkeit zufrieden gewesen. Beständigkeit
ist jener Fels, den wir zwischen uns und unseren waren Wünschen stellen.
Wir schützen uns durch das Warten auf unvorhersehbare Ereignisse um zu vermeiden,
dass uns das Leben enttäuscht, um zu vermeiden, dass wir uns selbst entdecken
und uns selbst fragen ob das alles war.
Erst jetzt verstand ich ihre Geste, als sie mir einen Kastanienigel reichte und
sagte "er pikst, ist aber von allerbester Güte. Schenk du mir Wein
ein und ich werde von diesem edlen Herbstmehl essen!"
Erst jetzt verstand ich die Metapher dieser Frucht, die eigentlich ein Samen
ist. Ein Samen ist immer Lichtspender, ein Samen ist immer Lebensspender. Im
Inneren des stacheligen Igels sind zwei runde Kastanien eingeschlossen, die eine
dritte, kleinere umschließen.
Achten Sie darauf: es sind nie weniger als drei, aber nur zwei davon haben die
Reife die Dritte beschützen zu können.
Ich lehnte mich an die Rinde eines jahrhundertealten Kastanienbaums und sah auf
das in herbstliche Nebel einhüllte Eisacktal
Ich mag den Gedanken, dass ich unsere Kinder hierher bringen möchte. Seit
da an kehre ich immer wieder auf diese Hügel zurück, wenn mir der familiäre
Alltag traurig und unruhig vorkommt. Seit da an halten jene stacheligen Kastanien
ihr Versprechen und mein Leben erscheint mir wieder ganz einfach so wie es sein
sollte: glücklich.