Eine der alten Straßen die die Geschichte Europas gemacht haben
zu befahren kann Schulerinnerungen und längst vergessene Emotionen
wieder hervorrufen oder einfach nur faszinieren. Dort wo einst Kaiser,
Händler, Soldaten, Kulturmänner, Kreuzritter und Dichter
vorbeigegangen sind, fährt man heute schnell und oft zerstreut
vorbei.
Aber in der Fahrtstunde die man heute braucht um (mit dem Zug oder
mit dem Auto) das Eisacktal von Bozen bis zum Brenner hochzufahren
verdient trotzdem etwas Aufmerksamkeit.
Das Eisacktal war immer schon der Verbindungsgang der das Baltikum
mit der Adria, Mitteleuropa mit der Poebene verbunden hat und es
heute wieder zu durchfahren ist wie eine aufregende Reise durch die
Zeit.
Auf die ersten Zeugnisse dieses in der Vorzeit als "Bernsteinstraße" und
im Mittelalter als "Kunterstraße" (nach einem Bozner
Kaufmann der die Eisacktaler Straße im 14. Jhdt. befahrbar
machte) Straße trifft man nur wenige Kilometer außerhalb
der Südtiroler Hauptstadt.
In Atzwang zeugt ein altes Gasthaus mit eindrucksvoller Fassade und
schmiedeeisernem Schild, (der Gasthof Post, der auf eine fast tausendjährige
Geschichte zurückblickt) davon, dass an den Straßen in
regelmäßigen Abständen Raststätten standen wo
man sich ausruhen und die Pferde wechseln konnte. Waidbruck wird
von der mächtigen Trostburg, Heimat der Familie des Minnesängers
Oswald von Wolkenstein, beherrscht.
Erwähnenswert ist der herrliche Rittersaal der Burg. Über
Klausen ragt das Kloster Säben. Das Dürerstädtchen
sieht heute noch wie auf dem Kupferstich von Mattheus Merian aus.
Sehenswert ist der so genannte Loretoschatz, der im ehemaligen Kapuzinerkloster
untergebracht ist, und der aus Wertstücken besteht die die Königin
von Spanien Maria Anna ihrem aus Klausen stammenden Beichtvater Gabriel
Pontifeser zum Geschenk gemacht hat.
Zwei "Abstecher" sollten Sie unbedingt machen.
Einen nach Gufidaun wo sich ein kleines, gepflegtes Volkskundemuseum
befindet, und einen nach Feldthurns wo die ehemalige Sommerresidenz
der Bischöfe von Brixen, das herrliche Renaissanceschloss Velthurns
steht. Besonders sehenswert ist das mit meisterhaften Intarsien geschmückte
Fürstenzimmer mit einem herrlichen Kachelofen. Und dann Brixen.
Auf keinen Fall sollten Sie einen Spaziergang durch die Lauben und
Gassen der Altstadt verpassen, einen Blick auf den Dom, auf die Pfarrkirche
und den gänzlich mit Fresken bemalten Kreuzgang, und dann einen
Besuch in das Diözesanmuseum das in der Hofburg untergebracht
ist. Besonders interessant ist die Krippenausstellung im Untergeschoss
der Hofburg.
Im Kloster Neustift bei Brixen ist neben der Kirche die mit leuchtenden
barocken Fresken bemalt ist, besonders die Klosterbibliothek sehenswert.
Kurz nach Franzenfeste fährt man durch die Sachsenklemme, die
Schlucht in der im August 1809 die Schützen um Andreas Hofer
ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Tiroler Freiheitskampfs
gegen die französisch-bayerischen Truppen schrieben als sie
Geröll und Baumstämme ins Tal rollen ließen. Ein
Stele erinnert an diese Episode. Vor Sterzing sieht man auf der rechten
Talseite den spitzen Kirchturm des Wallfahrtsorts Maria Trens der
seit 1498 einer der meist besuchten ist.
Sterzing wird von den zwei gegenüberliegenden Burgen Reifenstein
und Sprechenstein angekündigt die die Talebene beherrschen.
Reifenstein ist auf jeden Fall einen Besuch wert, da es eine der
besterhaltenen Burgen Südtirols ist. Ein Pflichtbesuch in Sterzing
ist das kleine Multscher Museum wo Altarflügel von Hans Multscher,
dem Meister von Ulm, ausgestellt sind. Sehenswert ist auch das Bergbaumuseum,
welches im Jöchelsturm untergebracht ist und davon zeugt, dass
Sterzing und das Obere Eisacktal schon im 14. Jahrhundert einiges
der wichtigsten Bergbauzentren Europas war.
Die letzte Silbermine am Schneeberg im Oberen Ridnauntal wurde erst
vor einigen Jahren geschlossen und ist heute ein Museum in dem die
verschiedenen Extraktionstechniken vorgestellt werden und auch die
Stollen besichtigt werden können.