Eisacktal und Schlerngebiet
Gehen wir oder gehen wir nicht? Sollen wir auf den Berg gehen
um Sonne zu tanken oder sollen wir zuerst eine Runde durch
die Gassen und Plätze der Bischofsstadt machen. Die
Entscheidung fällt schwer. Einerseits die Möglichkeit
in wenigen Minuten das Hochplateau des Schlerns zu erreichen
und die Bergsonne, die frische Luft und schöne Wanderungen
inmitten der Natur zu genießen. Andererseits die Möglichkeit
Klausen, Brixen und Sterzing zu besichtigen – drei
der schönsten Städtchen in Südtirol, die für
uns Leckermäuler neben Geschichte auch eine Vielzahl
an Leckereien bieten. Wir entscheiden uns für die zweite
Möglichkeit, auch weil die Wochenenden immer zu kurz
sind und die Geschäfte und die vielen Kellereien des
Oberen Eisacktales, die wir besichtigen möchten nicht
immer auch sonntags geöffnet haben. Wir fahren also
die Autobahn entlang und fühlen uns aufgekratzt wie
Schulkinder auf Schulfahrt. Dieses Mal sind wir zu viert.
Ich, meine Lebensgefährtin Alina und ein befreundetes
Paar aus Mailand. Seit einiger Zeit haben sie von den Südtiroler
Weinen schwärmen hören und möchten nun endlich
selbst das nördlichsten Weinanbaugebiet Italiens zu
erkunden.
Auf unserer Linken sehen wir Bozen und die verheißungsvollen
Hügel von St. Magdalena, wo einer der ältesten und
berühmtesten Südtiroler Weine angebaut wird und schon
sind wir im Eisacktal. Vor uns öffnet sich der enge Taleingang
durch das die Autobahn in fast atemberaubender Höhe führt.
Die Landschaft wird immer freundlicher, die Hänge zieren
sich nach und nach mit Obstwiesen uns Weinbergen.
Die Aussicht ist beeindruckend. Die Sanftheit die diesen steilen
Felsen von der Hand der Menschen verliehen wurde ist außergewöhnlich.
Generationen von Bauern haben die Berge gezähmt indem sie,
da wo es unvorstellbar schien Weinberge von solcher geordneter
Schönheit angelegt haben die Erstaunen hervor rufen.
Nur
wenige Kilometer trennen uns jetzt von Klausen und
das Künstlerstädtchen
kündigt sich links mit seinem magischen Kloster an, das
auf einem Felsvorsprung, umgeben von einem Teppich von Reben
liegt.
Wir haben die Autobahnausfahrt erreicht und da es erst 13 Uhr
ist entschließen wir uns derweil beim Bischofshof einzukehren,
um die Küche des neu eröffneten Gourmetrestaurants
zu probieren, das auf den exotischen Namen Jasmin getauft
wurde. Die Küche des jungen Chefs zeugt von dessen Begeisterung
und dessen internationaler Erfahrung, die er unter anderem bei
Heinz Winkler erlangt hat.
Immer noch an den Kaviar auf Kartoffelcreme und saurer Sahne denkend
machen wir uns auf um den Nachmittag für einen Besuch
der Eisacktaler Kellerei zu nützen, die in den letzten Jahren
von sich reden gemacht hat. Im Tal werden vor allem nach Blumen
und Früchten duftende Weißweine angebaut. Zufrieden
verlassen wir die Kellereigenossenschaft mit einem Karton Wein
unterm Arm und nach einem kurzen Anruf empfängt uns Peter
Pliger, einer der berühmtesten Weinbauern Südtirols.
Sein Weinkeller befindet sich einige Kilometer von Brixen, an
einem sonnigen Hang. Peter erzählt uns, dass er bis zu seinem
Entschluss, den Wein den er auf seinem Kuenhof anbaut
in zu Wein zu bereiten, in Flaschen abzufüllen und zu verkaufen, als
Tischler arbeitete. Heute bereitet er in seinem sauberen Keller
weiße Weintrauben: Kerner, Gewürztraminer und andere.
Schaffen wir es oder nicht? Der Abend naht und unser Hotel
in Brixen wartet auf uns. Wir strengen uns
noch einmal an. Dann also los bevor wir uns in das Getümmel
der Stadt stürzen
wollen wir noch diesen Nachmittag der unter dem Motto des Weines
stand zu einem krönenden Abschluss zu bringen. Wir kehren
beim Hoandlhof zu, wo der junge Winzer “Manni” Nössing,
der seit nur 4 Jahren den Wein der Weinberge seiner Familie zu
großem Erfolg gebracht hat. Sein weißer Kerner gehört
zu den bekanntesten, so wie der intensive aber trinkbare Gewürztraminer,
der wie alles in diesem Tal, wie uns scheint, einen unglaublich
starken Duft verströmt.
Wir
grüßen die Besitzer des Hotels Goldener
Adler im
Herzen der Stadt. Es gehört der Fam. Mayr die auch das
berühmte Restaurant Finsterwirt besitzen. Wir machen uns
zum altehrwürdigen Fink auf, das Restaurant welches die
Heimat von Hans Fink, dem unvergessenen Erzähler der Traditionen
und der Gastronomie Südtirols war. Speck, Weinsuppe,
Knödel,
das Ganze mit leichter Hand zubereitet
Freitag
Wir
stehen zeitig auf und Natürlich können wir einen
Besuch des Klosters Neustift mit seiner berühmten Bibliothek
uns den außergewöhnlichen Weinen missen. Diese Einrichtung
ist nämlich einer der ältesten Weinkeller Südtirols.
Es werden immer noch duftende Weine wie der Veltliner und der Silvaner produziert. Wir sehen die wertvollen Bücher der
antiken Bibliothek durch, unter denen sich auch die berühmte
Gutenberg-Bibel befindet. Zu den Kunstschätzen die im
Kloster zu finden sind, gehört auch die Kirche, die wir
ebenfalls besichtigen. Zum Schluss machen wir in der Önothek des Innenhofes “Halbmittag” mit Speck und Brot.
Dann machen wir eine Runde im Kloster-Shop. Wie in jedem Kloster
fehlen auch hier nicht die Kräutertees, der Apfelsaft,
die Bonbons. Ein kleines Paradies auf Erden. Und der Vormittag
ist auch schon vorbei.
Auf nach Sterzing.
Wenige Kilometer und wir erreichen Sterzing, die Stadt, welche
die italienische Grenze vor dem Brenner bezeichnet. Wir machen
einen kleinen Umweg in das seitliche Pfitschtal, wo uns zwischen
grünen Weiden und dichten Wäldern ein Mittagessen
aus Knödeln, Speck aus der hauseigenen Metzgerei und Almkäse
erwartet, am Pretzhof, der erst kürzlich renoviert wurde,
der aber sein eigentümliches Flair beibehalten hat, wird
vieles selbst hergestellt.
Den frühen Nachmittag widmen
wir nach einem kurzen Spaziergang der Altstadt von Sterzing,
wo uns unsere Frauen zwingen im Geschäft der Sterzinger
Milchgenossenschaft einzukehren. Hier kaufen wir Milch, Joghurt
und Käse der beliebten biologischen Serie. Eine Bäckerei
in der Nähe bietet neben Roggenbrot, Semmeln und alle
erdenklichen Arten Vollkornbrot an.
Dann kehren wir auf ein gutes Glas Wein in der Önothek Mayr und Mayr ein. Für das Abendessen hingegen kehren
wir beim viel gerühmten Restaurant Kleine Flamme unter
den Lauben ein, wo eine geniale italo-thailändische Küche
angeboten wird, die der Chef direkt vor Ort, in Bangkok erlernt
hat.
Wir fallen schnell in den Schlaf. Am Morgen packen wir unsere
Sachen und erreichen nach dieser großen Runde das Schlern-Hochplateau,
wo uns ein Tag unter dem Motto der Natur, der Sonne, der frischen
Luft und, natürlich, der einzigartigen Geschmäcker
erwartet.
Samstag
Ein letzter Spaziergang in Brixen, um Mitbringsel und Geschenke
zu besorgen und dann nach Klausen und weiter nach Seis. Die
erste Etappe natürlich in Kastelruth,
um das schöne
Dorf zu bewundern und um unser Gepäck im Posthotel
Lamm,
das am Dorfplatz liegt, abzugeben. Das einzige was uns leid
tut, ist das wir zu früh für die 22. Ausgabe
des Oswald-von-Wolkenstein-Ritts dran sind der am 6. Juni statt
findet. Es handelt sich nicht um eine simple Pferdeschau
sondern um einen echten Wettkampf zwischen den Reitern die
versuchen
zum Schluss die Fahne ihrer Mannschaft über den Turnierplatz
hissen zu können.
Wirklich
schade. Wir müssen uns mit etwas wesentlich ruhigerem
zufrieden geben. Wir wandern also über die gründen
Wiesen des Seiser Hochplateaus. Wir entscheiden uns für
die Wege oberhalb von Völs, die nicht nur von Sommerfrische
suchenden Stadtbozner, sondern auch von zahlreichen Prominenten
aufgesucht werden. So erreichen wir das Restaurant Völser
Weiher das auf den klaren Wasserspiegel den anmutigen Weihers
von dem es den Namen hat blickt. Von der Schönheit
des Tages angespornt entscheiden wir weiter zu gehen und
erreichen in einer halben Stunde die Stuff-Hütte,
wo wir auf eine “Marende” aus Speck und
Schwarzbrot, einem guten Glas Wein und einen süßen Strudel
einkehren.
Das Wetter ist herrlich die Luft ist frisch. Der Berg
erinnert an den Zauber Tausender Märchen und als
der Abend naht meinen wir sogar die Schatten der sagenhaften
Schlernhexen
erkennen zu können. Wehmütig verlassen wir
diese Plätze und trösten uns mit einem Abendessen
im neuen Gourmetrestaurant Sassegg in Seis. Die Entenleberterrine und die mediterranen Geschmäcker die der Chef in diesen Bergen hervorgerufen hat, sind
eine angenehme Überraschung.
Sonntag
Wir schlendern durch Seis und kaufen etwas Käse für
unsere Freunde. Bevor wir aufbrechen tauchen wir im Wellness
Center unseres Hotels ab wo wir vom Duft der Heilkräuter
die in den umliegenden Wiesen gesammelt werden verwöhnt
werden.
Erholt gönnen wir uns einen letzten Spaziergang vor
der Rückfahrt ins Tal. Wir fahren aber nicht bevor
wir nicht im Restaurant des Hotels Turm in
Völs eingekehrt
sind. Dann geht es hinunter ins Eisacktal und nach Bozen,
das wir rasch hinter uns lassen um voller Wehmut und Leckereien
nach Hause zu fahren.
Texte: Angelo Carrillo |