Gadertal
Das Auto schlängelt langsam die Kehren des Grödner
Jochs hoch. Um uns eine karge, aber reizvolle Mondlandschaft.
Die Luft ist frisch. Der klare Himmel kündigt ein sonniges
Wochenende an.
Freitag, am späten Nachmittag.
Es gibt mindestens drei, lange und gewundene Strassen, die in
das Gadertal führen und die uns daran erinnern, warum sich
hier eine Sprache, das Ladinidsche, viele Jahrhundertre lang
fast unverändert erhalten hat. Diese eigenständige
rätoromänische Sprache ist das Symbol der Identität
einer Bevölkerung und deren Traditionen. Nachdem wir den
Pass überquert haben fahren wir die Strasse, welche uns
in das Herz des Gadertals, das Reich der haute cuisine, aber
auch der unvergleichlichen Geschmäcker der alpenländischen
Tradition ist, führen wird.
Kolfuschg (Calfosch)
Unser erstes Ziel. Am südlichen Ende des Naturparks Puez-Geißler
gelegen und vom eindrucksvollen Gebirgsmassiv des Sella und der
Sassongher beschützt, ist das Dorf der am höchsten
gelegene Ort in Alta Badia (1645 m). Hier empfängt uns die
Familie Costa vom Restaurant Stria (die Hexe), dessen Name viele
Sagen die im Tal spielen ins Gedächtnis ruft. Das Gebäude
ist neu, aber die getäfelten Interieurs strahlen Wärme
und Gemütlichkeit aus. Am geschmackvoll gedeckten Tisch
tausche ich mit meiner Alina einen verstädnisvollen Blick
aus: das Foie Gras hat uns nicht enttäuscht. Darauf folgen
Taubenbrust, mit Nüssen und Zwiebel getrüffelte Wachteln
und gratinierte Schnecken mit Almkräutern und gerösteten
Polentaschnitten. Dies ist das einzige Restaurant im Tal, das
ganzjährig geöffnet hat und das nicht zu einem Hotel
gehört. Die Küche vernachlässigt die alten lokalen
Rezepte wie die panicia (Gerstensuppe), die turtres (gefüllte
Pfannkuchen) aber sie folgt einem kreativeren, internationalen
Vorbild/Modell.
Wir entschließen das Essen zu genießen. Das schöne
Arthotel Cappela, in dem wir heute nächtigen werden, kann
noch ein Weilchen warten.
Samstag
Das Früstück hat uns gut gelaunt gestimmy. Es bestand
aus „Les Puces“, ein Roggenbrot, das einmal im
Jahr gebacken und dann auf Holzgittern zum Trockenen ausgebreitet
wird. Diese werden zum Früstück in Milchkaffee eingetaucht.
Nach einigen Kilometern ertwartet uns Vorvara. Der berühmte
Fremdenverkehrsort befindet sich an einem der besten Ausgangspunkte
um im Skigebiet Dolomiti Superski Wintersport zu betreiben.
Zu den zahlreichen bekannten Hotels von höchstem Nivau,
die sich hier befinden, gehört auch das Hotel La Perla,
welches zur Kette der Romantik Hotels gehört mit seinem
kleinen Gourmetrestaurant „La stua di Michil“ und
dem Keller der neben großen Weinen auch szenische Effekte
zu bieten hat. Wir bleiben auf ein Aperitiv. Alina ist von
der Dekoration der Wände und der Tische begeistert. Diese
sind der Phantasie der Besitzerin, Eli Costa, entsprungen,
die sie in zahlreichen Veröffentlichungen gesammelt hat.
Trockenblumen, Tafelaufsätze aus Obst, bestickte Stoffe,
Latschenkieferzweige die zu zapfenartigen Verzierungen geflechtet
wurden. Wir vergessen fast auf die Stua, die alte Stube die
im Hotel wieder aufgebaut wurde und zu dessen Herz geworden
ist. Es riecht nach dem Thymian der tagliatelle mit Rehfilet
. Mit Käse und Kartoffeln gefüllte „Schlutzer“ und
Hirschmedaillons mit foie gras sind einige der vielen Vorschläge,
bei denen sich Tradition und Kreativität die Waage halten.
Wir gehen nicht bevor wir nicht den hochgelobten Keller, mit
seinen Lichteefekten, der Musik und dem eigängigen Tempel
des Sassicaia (ein renomierter Wein) in dem über 3000
Flaschen des besten Italienischen Weines aufbewahrt werden,
besichtigt haben.
Wir lassen Corvara hinter uns und kommen nach La Villa, das
an den Füssen des Gardenazza gelegen ist. Von hier machen
wir uns auf zur Schutzhütte Moritzino auf 2100 m auf dem Piz
la Ila, wo auch im Winter fischer Fisch zubereitet wird und
zum Restaurant Blumine das im Jugenstil errichtet wurde.
Auf
der Rechten führt die Abzweigung nach St. Kassian, das
das Gadertal mit Ampezzo, dem anderen wichtigen Zentrum der
ladinischen Kultur verbindet. In diesem Weiler befindet sich
eines der berühmtesten Hotels des Tales: das „Stella
Alpina“ mit dessen Gourmetrestaurant St.
Hubertus,
wo der international erfahrene Chef Norbert Niederkofler
phantasievolle Gerichte kreiert. Einige hundert Meter weiter
kehren wir in der kleinen Käserei Fanes zu, die vor
allem im Sommer zu besichtigen ist. Der Almkäse der
hier hergestellt wird behält den Geruch des Heus und
der Kräuter bei. Wir würden alles kosten, aber
wir müssen weiter. Der Ruf der Sirola, eine sagenhafte
Nachtigall mit übernatütlichen Kräften und
erhabenem Gesang, ist unüberhörbar und wir folgen
ihm indem wir im Restaurant des Hotels Ciasa Salares einkehren.
Im ersten Stock befindet sich eine schöne, hervorragend
sortierte Önothek. Dort gibt es auch eine Ecke für
die Liebhaber von Zigarren und Hochprozentigem, sowie ein
paar gedeckte Tische für eine Zwischenmalzeit. Unten
gibt es einen eleganten Speisesaal, wo Corrado Fasolato seinen
Beruf ausübt.
Angenehme Orte an denen man unbeschwerte Momente in Gesellschaft
verbringen kann sind das Café Ploner, wo man auf keinen
Fall auf den köstlichen, traditionellen Apfelstrudel
oder die leckeren Sahnekuchen verzichten kann. In einem ehemaligen
Stadel ist, ebenfalls in St. Kassian, die Hug’s Bar
untergebracht, in der die Tische durch Holzstämme ersetzt
wurden.
Sonntag
Wir verlassen das Hotel Stella Alpina, mit seinen warmen
Zimmern, das Wellnesscentre und seinen unvergesslichen
Geschmäckern.
Wir fahren das Tal in Richtung Bruneck hinunter.
Auf der Linken treffen wir auf das romantische Logiarù-Tal,
wo man die unberührten charakteristischen Viles bewundern
kann. Es sind kleine Weiler, die Häuser und Stadel umfassen.
Hier haben wir in den Schützhütten, auf die wir
mit Schneekatzen gebracht wurden, unvergessliche Abende verbracht.
Starke Würze, das Hirschgoulasch. Turtres mit Spinat
und Ricotta, Speckknödeln und natürlich dem duftenden
Strudel. Zu den einladesten Schutzhütten gehören
das Punta Trieste, die sich für gesellige Abende anbietet
und die Schützhütte Santa Croceb, wo man die besten
Südtiroler Spezialitäten genießen kann.
In St. Martin befindet sich neben dem interessanten Volkskundemuseum
das Gasthaus Dasser. Einfache Hausmannskost: Schweins-
oder Rindshaxe, Wild und ladinische Spezialitäten.
Bevor wir das Gadertal hinter uns lassen ist ein, wenn
auch kurzer Abstecher, zum Plan de Mareo unverzichtbar.
Wir schlagen
also die Richtung nach St. Vigil ein und dringen in dieses
Seitental vor, welches und zu den Füßen des Kronplatzes
bringt. Der Blick schweift über diese rauhe und ursprüngliche
Landschaft, die reich an Geschichte und Tradition ist. Wir
machen am Dorfplatz halt und gehen ins Tabarel. Die Önothek
mit Restaurant, dessen Küche Freuden für den Gaumen
und die Kehle anbietet. Kartoffelhalmonde mit Ziegenkäse
auf Sauce von süßen Pfefferoni, Hirschrosetten
in Wacholderbeersauce. Um nur ein Beispiel zu nennen. Etwas
weiter vorne befindet sich die Fana Ladina, wo die Tradition
vorherrscht. Tultres, crafuns mori, canci feies da soni.
Für die Liebhaber ist ein Abstecher in das Fanestal
unverzichtbar, dort kann man bei deftiger Bergküche
ein unvergleichbares Panorama genießen.
Wir schlißen unsere Runde zwischen den Köstlichekeiten
bei Sonnenuntergang ab.
Texte: Angelo Carrillo |