Törggelen und Buschenschänke
Ein
Schlemmerherbst mit Most und Kastanien
Der Südtiroler Herbst ist eine noch unendeckte Besonderheit.
Mit der Erntezeit beginnen werden zahllose traditionelle Bräuche
wiederbelebt.
Die überwältigende Herrlichkeit der Natur, deren Farben
rasch von leuchtenden Farben des Sommers zu den bunten und melancholischen
herbstlichen Tönen wechselt verursacht ein wahres Semptember-Fieber
das im Normalfall erst im November, mit dem Ausklang der Törggele-Saison
abklingt.

Der Terminus “Törggelen” wird sowohl
auf das latainische Verb “torquere” zurückgeführt,
das soviel wie pressen oder winden bedeutet und sich auf das
Pressen des Weines nach der Lese bezieht, als auch auf das den “Torculum”,
der antiken Weinpresse (Torggl, eben) durch die man den
Most erhält. Der Neuwein, auch “Nuie” genannt
hat einen niedrigen Alkohol und einen hohen Zuckergehalt und
ist, ist damals wie heute, der Grund für die (feucht-) fröhlichen
Wanderungen von Keller zu Keller, von Bauernhof zu Bauernhof.
Dabei wird der “Nuie” verkostet und verglichen. Dazu
gibt es eine deftige “Marende” auf Speckbasis,
dazu Schwarzbrot uns Saisonsfrüchte.

Die beliebteste ist
natürlich
die Kastanie (seltener die Marone)
die den Genuss des frischen Most mit dem Schälen der Röstkastanien
in einer geselligen Atmosphäre verband. In den letzten Jahrzehnten
hat sich dieser Brauch von den heimeligen Stuben auf Wirtshäuser
und Restaurants ausgeweitet.
Zu dem Erfolg dieser Feiern, hat sicherlich auch die Wiederentdeckung
der Buschenschänke Anfang der 70er Jahre beigetragen. Diese
urtypischen Tiroler Lokale bieten sich perfekt für das Törggelen
an.
Die Törggele-Tradition ist besoders stark im Eisacktal verwurzelt,
wo man diesem Brauch Wanderungen, Ausstellungen und viele andere
Veranstaltungen widmet.
An den Berghängen gibt es viele private Kellereien und noch
mehr Weinbauern, von denen einige einen Buschenschank betreieben.
In den Wäldern, die hier bis zum Talboden reichen finden
sich immer wieder Kastanienhaine, besonders beliebt sind sie
Barbianer und die Feldthurnser Kastanien.
In Tisens findet ein kulinarische
Woche statt, die ganz im Zeichen
der Kastanie steht. Auch in Leifers, wo es ebenfalls gute Kastanien
gibt, kann man Törggelen.

Für die Nascher raten wir: Tisner
Kastanienkrapfen, Kastanien-Kartoffelgnocchi
mit Ziegenkäsesoße, Feine
Kastaniensuppe mit Majoran und Kastaniencreme
mit Früchtegarnitur.
Buschenschank
Die Tradition der Buschenschänke geht auf das Mittelalter
zurück, als den Bauern von den Lehnsherren zugestanden wurde
den Wein zu pressen und einen Teil davon zu behalten und ihn
an zufällige Kunden und Wanderer aufzuschenken. Das Kennzeichen
dieser improvisierten Wirtshäuser war ein grüner Laubzweig
der am Eingang des Hofes aufgehängt wurde. So konnte man
diese Lokale, die damals wie heute nur einige Monate im Jahr
geöffnet haben, von den “offiziellen”, ganzjährig
geöffneten Gasthäusern unterscheiden, man an den, meist
schmiedeeisnernen, Schilde erkennt. Traditionell sind die Buschenschänken
von Ende April (Hl. Georg) bis Ende September (Hl. Michael) in
Betrieb. Die Wanderer konnten hier einkehren und den Hauswein
bestellen, der oft von einem Gericht begleitet wurde.
Seit etwa zwanzig Jahren sind die Buschenschänken auch auf
der gesetzlichen Ebene geregelt und stellen heute nicht nur wegen
der ehrlichen Preise, sondern besonders wegen der bäuerlichen
Atmosphäre eine interessante Alternative zu den klassischen
Lokalen dar. Angeboten wird Hausmannskost: Knödel, Sauerkraut,
Schweinshaxe, Haswurst, Gröstl und andere Leckereien der
traditionellen Küche.

Texte: Angelo Carrillo, Casanova; Fotos: Battocletti, Casanova. |