![]() |
|
Senf auf meiner Haut...
Wer befürchtete, dass die Existenz der Bozner Würstelstände, dieser Institution, die auf die k. u. k. Monarchie zurückgeht, vom Vormarsch von Pizzen und Döner bedroht werden, kann beruhigt sein. Es sind die Würstelstandbetreiber selbst, die beschwichtigen: „Man kann ja nicht jeden Tag nur Würstel essen!“ Mehr als die Konkurrenz von Schnittpizza und Döner beschäftigt sie die neuere Entwicklung der Stadt. Bis vor zehn Jahren gab es weniger Bars und Restaurants und es wurden mehr Würstel konsumiert, die Würstelstände waren häufig bis Mitternacht geöffnet. Wo man die besten Würsteln in Bozen findet
Seit mehr als sechzig Jahren gibt es den Stand am Obstplatz schon. In den letzten dreißig wird er von der Familie Ebner geführt: Vater, Mutter und Tochter arbeiten hier. Er befindet sich am oberen Ende der Lauben Ecke Obstplatz und sättigt Italiener, Deutsche, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Einfache Bürger und Prominente. „Ausnahmslos alle mögen Würsteln“, versichert die Inhaberin stolz, „auch jene, die ich aus dem Fernsehen kenne wie Alberto Tomba, der Skifahrer, und viele deutsche Sänger sind schon bei uns eingekehrt. Auch viele Russen, Polen und Türken speisen bei uns.” Die Meraner-Wurst aus Rinds- und Schweinefleisch und Gewürzen ist das beliebteste Gericht an diesem Stand, aber es wird auch die Käsewurst (aus Rind- und Schweinefleisch und Käse) angeboten. Man bekommt auch Frankfurter, das sind Würste aus reinem Rindfleisch und viele andere Würstel. Die Würstel sind immer frisch und haben keine Konservierungsstoffe. Die Familie Ebner wird zwei mal wöchentlich oder je nach Bedarf von der nahen Metzgerei Schrott beliefert.
Wenn man die Goethestraße entlang geht, kommt man zu einem weiteren historischen Würstelstand. Es ist jener der Familie Egger, die hier seit zehn Jahren Würsteln verkauft. Den Stand selbst gibt es aber schon seit dem Jahr 1921!
Eine Weißwurst verzehrend schlendern wir Richtung Talferpromendade. In der Museumsstraße stoßen wir auf den letzten traditionsreichen Stand: es ist der Stampfl-Stand. Die Kunden kommen ab 11 Uhr morgens und es werden bis zum Abend Würsteln zubereitet. Dieser Stand hat ganzjährig und im Sommer bis 19 Uhr geöffnet. Er wird gerne von Schülern und Studenten besucht, bei denen Hotdogs und Frankfurter besonders beliebt sind. Vom Hersteller an den Verbraucher:
Man findet hier natürlich auch eine wahre Südtiroler Wurstspezialität: die Kaminwurz. Wie der Name ahnen lässt, werden diese Würste drei Wochen lang kalt geräuchert und dann an der Luft getrocknet. Sie werden aus Rind und Schweinefleisch und und natürlichen Därmen hergestellt. Die Metzgerei Schrott stellt ihre Würste in der Nähe von Schloss Runkelstein her, wo es auch Fertiggerichte zum mitnehmen gibt. Das Würstel ist schnell zubereitet und sättigt und ist günstig. Ein Frankfurter oder ein Hotdog kosten um die 3/3,50 Euro. Andere Sorten sind ein bisschen teurer. Die Würsteln werden mit einem Semmel und einem Klecks scharfem Senf (oder Ketchup, Mayonnaise oder süßem Senf serviert). Die Wurst wird also nicht verschwinden, im Gegenteil: das Angebot wird immer reicher. Bis vor zehn Jahren gab es nur Weißwürste, Meraner und Frankfurter. Heute vervollständigen Hotdogs, Currywurst, Paprikawurst, Käsewurst das Angebot...und die zufriedenen Kunden kommen immer wieder. Manche seit zwanzig oder dreißig Jahren. Es besteht also keine Gefahr, dass die Würsteln in Bozen Döner oder Pizza weichen müssen...
Text: A. Dolzan |
|
||||||||||||||||||||||||