Kennen sie Macondo, der Ort an dem “Hundert Jahre Einsamkeit” von Gabriel
Garcia Marquez spielt, an dem es fünf Jahre hintereinander regnet? Nun,
ganz Südtirol scheint sich in ein Macondo der Alpen verwandelt zu haben,
denn seit fast drei Wochen regnet es ohne Unterlass. Da wir davon überzeugt
sind, dass das Wohlergehen unserer Kinder zum grossteil auch davon abhängt,
wie sie ihre Freizeit verbringen und wir Aktivitäten im Freien Playstation-Marathonen
vorziehen, wussten wir wirklich nicht mehr weiter. Im Internet sind wir
dann auf das Villanderer Bergwerk gestossen. Das war die Lösung. Mit
dem Auto fahren wir durch das nasse Eisacktal, bei Klausen biegen wir
nach Villanders ab. Auf einer Meereshöhe von 900m wirken die Wolken schon
versöhnlicher.
Der Tourismusverein Villanders organisiert
regelmässig Führungen in das Pfunderer Bergwerk, das einst
eines der wichtigsten ganz Tirols war. Insgesamt gibt es 16 Stollen,
die zusammengenommen 16,5 km lang sind. Zu besichtigen ist der 1670km
lange Elisabeth-Stollen, dessen Eingang sich auf 1292m befindet. Was
gibt es an einem verregneten Tag besseres als einen Ausflug unter Tag
zu machen. In der Zwischenzeit hat es aber aufgehört zu regnen und
ein Bauer der vor seiner Scheune steht behauptet, dass es bis zum Abend
trocken bleiben wird. Deshalb beschliessen wir zu Fuss zum Eingang des
Bergwerks zu gehen (man kann das Auto auch direkt beim Eingang auf dem
Parkplatz des Bergwerks stehen lassen). Auf dem Weg liegen Schloss Gravetsch
und die Sankt-Anna-Kapelle.
Am Ende der Führung durch das Bergwerk darf sich jeder Mineralien
oder Edelsteine aus dem Abbauschutt mitnehmen.
Entstehungsgeschichte:
Das Bergwerk am Pfunderer Berg wurde 1140 erstmals erwähnt und 1177
von Kaiser Friedrich Barbarossa an das Kloster Neustift geschenkt. Der
ganze Villanderer Berg ist von Erzgängen untergraben. Innerhalb
eines Höhenunterschieds von 750m wurden im Laufe der Jahrhunderte
16 Stollen eingetrieben. Das gesamte Streckennetz misst 16,5km, wobei
zwei Drittel handgeschlagen und ein Drittel mit Sprengpulver vorangetrieben
wurden. Bis 1943 wurden vor allem Bleiglanz, Kupfer, Eisenkies, Zinkblende,
Schwefelkies und Silber abgebaut. Seine größte Bedeutung hatte
das historische Erzrevier Villanders in der ersten Hälfte des 16.
Jh.s, mit einer hohen Zahl von Beschäftigten, erreicht. Ab der zweiten
Hälfte des 16. Jh.s erschöpfte sich das Erzvorkommen langsam.
Trotz aller Rückschläge wurde die Erzgewinnung auch in den
folgenden Jahrhunderten fortgesetzt, mit einer kurzen Blüte von
1893 bis 1908, als die Bergbautätigkeit eingestellt wurde und während
des Zweiten Weltkriegs 1943 kurz wieder aufgenommen wurde. Der 1670m
lange und 1292m hoch gelegene Elisabeth-Stollen wurde Ende der 1990er
Jahre als Schaustollen hergerichtet und kann seit 2005 besichtigt werden.
Er gewährt einen Einblick in die traditionellen Abbaumethoden, die
Förderleistung und Verarbeitung des Erzes sowie die Arbeitsbedingungen
der Knappen, die eine Lebenserwartung von 35 bis 40 Jahren hatten.
Wie ich zur Mine komme:
In Villanders im Eisacktal angekommen, folgt ihr der Strasse zur Villander
Alm, nach ca. 7 Kilometer am Zilderer geht es weiter nach rechts (dort
steht eine große Tafel). Nach 500m kommt ihr an einem Parkplatz,
dort stellt ihr das Auto ab. Von da an sind es noch ca. 300m zu fuß,
zur Mine.