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Die Verabredung


Ich erzähle diese Geschichte so wie sie passiert ist. Man kann sie glauben oder nicht glauben. Mit großer Mühe fahr ich aufwärts – das lässt sich nicht vermeiden, es ist eine Frage des Gewichts und der Schwerkraft, eine Mischung, die für einen wie mich, der über dem Formgewicht ist, ziemlich implosiv ist. Es ist eine Mischung, die mich wie ein zarter Klebstoff eng auf dem Asphalt hält. Ich schufte also einen Berg hinauf ohne Schatten und ohne Rast. Ich schinde und leide, aber die Sache ist vorbestimmt und gewollt, ich bin nicht per Zufall dort und ich wurde auch nicht von unbarmherzigen und etwas sadistischen Freunden mitgezogen worden – auch das passiert, wenn du ihnen zu sehr traust und nicht kontrollierst.
Aber bevor der Radfahrer aufgibt, sieht er sich immer noch leicht und in der Lage, es zu schaffen. Es braucht viele zum Teil niederträchtige Niederlagen bis er vorsichtig wird. Ich habe es bereits betont: ich bin nicht per Zufall dort, die Sache ist vorbestimmt und gewollt. Das Ziel ist es meine Kondition im Aufwärtsradeln zu verbessern, Gewicht zu verlieren, Schwung zu bekommen und das Grinsen von einigen Beobachtern zu vermeiden. Ich habe mir gesagt „Ich muss es schaffen, diesen Anstieg mindestens einmal in der Woche zu schaffen und dann werden wir sehen, ob ich am Ende der Saison nicht in der Lage bin, manch andere Herausforderung zu meistern“.
Wie mein Freund Ermes sagt, wer etwas erreichen will muss leiden. In einer Kurve sehe ich ungefähr hundert Meter unter mir einen anderen Radfahrer, der die Straße, so scheint mir, in zügigem Tempo empor fährt.
Es ist unangenehm, sich von anderen einholen zu lassen, also strenge ich mich an, den Rhythmus zu beschleunigen, aber das scheint problematischer als ich dachte und so verlangsame ich wieder. Der Freund fährt in schnellem Tempo weiter, ich „höre“ ihn mit der Sicherheit des Verurteilten, der das Fallbeil vermeiden möchte, aber er gleichzeitig weiß er, dass er das nicht kann. Als mir bewusst wird, dass ich verfolgt werde, fühle ich eine Art kribbeln im Rücken. Wenn es stärker wird, ist es nicht notwendig, dass ich mich umdrehe: Als guter Verlierer weiß ich, dass er da ist, jetzt warte ich nur noch auf das leichte Rauschen des Rades hinter mir. Die Person, die mich einholt und neben mir her fährt, ist mittlerer Statur, vielleicht etwas kleiner als ich. Er hat völlig weißes, aber noch dichtes Haar, das Gesicht eher eingefallen, aber nicht verzogen, das Alter ist schwierig zu bestimmen. „Wie geht’s?“ sagt er und schaut mich mit neugierigen, aber keineswegs spöttischen Augen an. Offensichtlich will er nicht seine Überlegenheit zeigen, die obwohl er es ist, da es sich um eine beträchtlich ältere Person handelt. „Ich muss mich sehr anstrengen“, sage ich ohne irgendwelche Entschuldigungen zu finden, die sowieso viel zu offensichtlich wären.
„Das ist ja nicht verboten“, meint er ruhig, „im Gegenteil, es verlängert das Leben“. „Oder es verkürzt es“, sage ich scherzhaft. „Nie mehr“, fährt er fort, „ich bin ein Modellbeispiel dafür. Vor dreißig Jahren hatte ich einen Herzinfarkt. Und nur dank des Fahrrades habe ich mich da herausgeholt“. „Ach herrje, dann haben Sie diesen Infarkt schon in jungen Jahren erlebt“, fragte ich. „Ganz im Gegenteil“, antwortete er, ich war gerade 56 Jahre alt. Es fällt mir schwer, das zu glauben, aber sobald ich es realisiert habe, weiß ich nicht, ob ich aufhören soll zu treten oder beleidigt sein soll, dass er mich anlügt. „Sie wollen mir doch wohl nicht erzählen, dass sie 80 Jahre alt sind“, sage ich. „Natürlich“, entgegnet er. „Und diesen Anstieg mache ich ein paar mal die Woche, sozusagen als Aperitif für eine lange Radtour am Sonntag“. Mein Gesicht schien nicht gerade sehr glaubwürdig zu sein, so verabschiedet er sich und fährt weiter. Nach einer halben Stunde komme ich am Gipfel an und mache in der Bar Halt. Der Freund sitzt dort und schlürft einen Tee. Ich nähere mich, setze mich neben ihn und bestelle ebenso einen Tee, während ich ihn lächelnd ansehe. „Ich kann es kaum glauben“, sage ich. „Viele können es nicht glauben“, antwortet er und zieht seinen Personalausweis heraus. Ich schaue ihn an. Er sagt: „Merke dir das Geburtsdatum und komm in vier Jahren wieder hier her. Gemeinsam werden wir auf die Gesundheit anstoßen, auf den Anstieg und auf das Fahrrad“.
Was macht man in diesem Moment? Ich hatte eine passende Antwort parat: „Du kannst mich beim Wort nehmen, ich werde da sein“. Es fehlen noch einige Jahre bis zu diesem Tag. Soll mich der Schlag treffen, wenn ich mich zu dieser Abredung nicht präsentiere.




aus G. Pauletto "Amati giri ciclici - pensieri, emozioni e piccole storie in bicicletta", Ediciclo Editore, Trad. R. Pranter

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