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Geschichte und Entwicklung der Energieproduktion in Südtirol - Alto Adige: von 1912 bis 1945

1912 – eine erste nennenswerte Leistungssteigerung wird durch den Bau des Elektrizitätswerkes im Schnalstal erreicht: Gesamtleistung 12.000 kW. Im selben Jahr entstehen weitere kleine Kraftwerke in Welschnofen (80 kW), in Trafoi (50 kW) und in Olang (90 kW). Durch die beiden Elektrizitätswerke „Schnalstal“ und „Töll“ (Gesamtleistung rund 20.000 kW) decken die Etschwerke fast 70 % der gesamten privaten und gewerblichen Nachfrage und bringen ihrer Verwaltung (die Städte Bozen und Meran) einen Gewinn von etwa 1 Mio. Kronen ein.

1912 – 1914 – das Kaiserreich Österreich-Ungarn, dem Südtirol bis 1918 angehört, scheint nur nebensächlich an die Stromerzeugung interessiert zu sein, wahrscheinlich da die Energienachfrage fast zur Gänze durch die reichen Kohlezechen abgedeckt ist. Ein Großteil der Investitionen für den weiteren Ausbau und die Neuschaffung von Kraftwerken stammt aus Deutschland und aus den USA.

1919 – 1930- nach dem Übergang Südtirols an Italien entstehen mehrere Kraftwerke, teils nach Entwürfen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Während des Faschismus werden viele Kleinproduzenten von staatlichen Großkonzernen flankiert oder gar eingenommen. Die anfänglich von den Gemeinden Bozen und Meran verwalteten Etschwerke werden in “Azienda Elettrica Consorziale delle Città di Bolzano e Merano (AEC) umbenannt und schrittweise „italienisiert“ um schließlich in die Hände des Mailänder Chemiekonzerns Montecatini zu gelangen. Die Montecatini-Gruppe baut das Marlinger Elektrizitätswerk (1924-25). Im selben Jahr wird auch das Kraftwerk in der Töll erneut vergrößert (das 1898 errichtet Kraftwerk erlebte 1906 eine erste Erweiterung). In nur fünf Jahren wird die gesamte Leistung oben genannter Kraftwerke verdreifacht. 1925 entsteht die “Società Idroelettrica del Vizze” und das dazugehörige Elektrizitätswerk (beendet 1927) im Raum Pfitsch-Sterzing, welches eine Leistung von 23.800 kW und eine Jahresernte von 85 Mio. kWh liefert.

1928 - Das große Kraftwerk in Kardaun wird durch die Società idroelettrica dell’Isarco (SIDI) bereitgestellt. Der Aufwand misst sich in 300 Mio. Lire und 5.000 Arbeitskräfte, zu dem noch eine beachtenswerte amerikanische Beteiligung, ein Darlehen von 5 Mio US-Dollar, hinzugerechnet werden muss. Zweifelsohne stellt diese gewaltige Baustelle über mehrere Jahre eine der schwersten Eingriffe in das gesellschaftliche und ökologische Gleichgewicht des Eisacktales dar, einzüglich sozialer Unruhen: 300 Bohrmaschinen arbeiten Tag und Nacht und rund 4 Mio. Sprengsätze werden gelegt um eine Bohrgeschwindigkeit von etwa 100 Meter pro Tag zu gewähren. Dem Finanz- und Maschinenaufwand müssen 12 tödliche Arbeitsunfälle und 1.500 Verletzte hinzugerechnet werden.

1928 - steigt die AEC zum zweitgrößten Stromerzeuger Italiens empor. Rangführer sind die Mailänder Eletrizitätswerke, gefolgt von AEC und weiters von den Städten Turin, Rom, Neapel und Verona. Das Kardauner Kraftwerk spielt auch im Rahmen der faschistischen Propaganda eine beachtliche Rolle und wird als „ größtes Wasserkraftwerk Europas“ gepriesen.

1929 - Die zuvor von der Trientner Wasserkraftgesellschaft (Società generale elettrica trentina (SGET) geführte Pfitscher Stromgesellschaft wird vom Großkonzern Edison übernommen, welches allerdings keine weiteren Anlagen in Südtirol einzugliedern vermag.

1931 - Das Verteilernetz der AEC erreicht eine Gesamtlänge von 1.100 Km, und versorgt 23 Gemeinden und 41.000 Nutzer mit Strom.

1933 - Im Höhepunkt der großen Wirtschaftskrise entscheidet sich Edison für eine Verschmelzung der Pfitscher und der Trientner Gesellschaften: was dabei entsteht ist die „Società generale elettrica cisalpina“ (Cis-alpine Stromgesellschaft).

1933 - Die äußerst schlechte Konjunktur verursacht den finanziellen Zusammenbruch zweier wichtiger, im Stromgeschäft verwickelter Unternehmen: der “Banco di Roma“ und die die Stromgesellschaft des Piemont (SIP - Società idroelettrica piemontese), der auch ein Großteil der SIDI-Aktien (Kardauner Kraftwerk) gehören. Die SIDI und das damit verbundene Kraftwerk in Kardaun, werden vom staatlichen Institut für industriellen Wiederaufbau ( IRI - Istituto per la ricostruzione industriale) übernommen.

Zwischen 1937 und 1943 werden SIDI und SIP in eine neue Gesellschaft vereinigt: das neu entstandene Unternehmen heißt “Società elettrica Alto Adige“.

1934-1936 - Die Montecatini-Gruppe, welche an der Società elettrica Alto Adige beteiligt ist, tritt erneut auf der Südtiroler Energieszene auf. Gegenstand der Schlagzeilen ist der Bau des relativen kleinen Premesa-Kraftwerkes (9.200 kW Leistung und Energielieferung für 45 Mio. kWh), mit dem die Baustellen der Kraftwerke in Brixen und Waidbruck versorgt werden.

1938 - Die Società elettrica AA setzt das Kraftwerk in Waidbruck in Betrieb, welches zum wichtigsten Energieversorger der Industriezone in Bozen wird. Angesichts eines möglichen Kriegsausbruches, befiehlt das Verteidigungsministerium, die Elektrizitätskraftwerke in Waidbruck und Brixen unterirdisch anzulegen, um auch im Falle eines Luftangriffes die Stromversorgung zu gewährleisten.

1940 - Beendung der Bauarbeiten am Brixner Elektrizitätskraftwerk (3.500 Arbeiter, Nennleistung: 143.000 kW mit 450-460 Mio. KWh Strom pro Jahr), dessen ursprüngliches Projekt auf die Zeiten der K.u.K. Eisenbahnen zurückgeht.

1941 -Im Oberen Vinschgau werden die ersten Baustellen für die Errichtung des Reschen-Stausees eröffnet (frühere Lokalaugenscheine von Seiten der damals noch selbstständigen Etschwerke gehen auf 1920 – 1922 zurück). Die Arbeiten erstrecken sich über die gesamten Kriegsjahre, lediglich während der deutschen Besetzung unterbrochen und werden 1945 fortgesetzt. Ein über 30 Meter hoher Erddamm erhöht den Wasserspiegel der drei Naturseen am Reschen um 20 Meter, wodurch 51 Häuser in Reschen und 79 Häuser in Graun unter 110 Mio. Kubikmeter Wasser überschwemmt werden.

1943 - Die Streitkräfte des Dritten Reichs besetzen die Südtiroler Kraftwerke und versuchen deren Stromerzeugung auf die deutschen Industriegebiete umzuleiten.

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